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Belagerungszustand der Stadt Magdeburg

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  • Belagerungszustand der Stadt Magdeburg

    Am 02. Februar 1812 verhängte Napoleon den Belagerungszustand über Stadt und Festung.
    In diesem Zusammenhang wurde festgelegt, das ein Abriß der Landstädte Sudenburg und Neustadt zügig und mit aller Härte durchzusetzen war.
    Beide Landstädte waren nicht Bestandteil der Stadt Magdeburg und der Festung.
    Sie waren in der Zeit nach dem 30-ig jährigen Krieg angewachsen, bzw neu errichtet worden.

    Über die Notwendigkeit dieser restrektiven Maßnahme will ich hier nicht vordergründig sprechen.
    Beide Städte, Sudenburg südwestlich und die Neustadt nördlich der Festung gelegen, durchbrachen mit ihren Bebauungen das Glacis der Festung erheblich.
    Daher war rein militärisch gesehen ein Abriß gerechtfertigt.

    Vielleicht erwähnenswert, das in beiden Städten rund 400 Häuser abgerissen werden mussten, was einen Schaden von ca 1.292 911 Talern ausmachte. (1)

    Meine Frage, ist die Ordre Napoleons im Wortlaut bekannt ?

    In der Planung war das schon ab 1810, die Umsetzung erfolgte aber erst in 1812.

    (1) nach " Magdeburg während der Blokade in den Jahren 1813 und 1814 "
    Paul Wendt 1913
    Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

    Alexander W. Suworow

  • #2
    Leider hat die mir zur Verfügung stehende Correspondance militaire nicht diesen Befehl abgedruckt ... aber in den Mémoires et Correspondance du Roi Jérome et la Reine Catherine, 5. Band, Paris 1864, findet sich der Abdruck des Befehls Napoleons vom 2.2.1812, der über den damaligen Außenminister Herzog von Bassano (siehe http://napoleonwiki.de/index.php?tit...-Bernard_Maret) an den Gesandten Frankreichs am westphälischen Hof, Reinhard (siehe http://napoleonwiki.de/index.php?tit...drich_Reinhard) geschickt wurde:

    Sa Majesté désire qu'il soit écrit par l'estafette à son ministre en Westphalie, pour lui faire connaitre qu'Elle a donnés des ordres pour que l'individu qui a assassiné un cuirassier et a été acquitté par les tribunaux dey pays, soit jugé par une commission militaire; qu'Elle a approuvé les mesures que le maréchal prince d'Eckmühl vient d'ordonner en dernier lieu pour Brunswick, et que si le sang français n'est pas promptement vengé, Elle déclarera cett ville hors de sa protection Impériale; qu'Elle a mis Magdebourg en état de siège, et qu'en conséquence le commandant doit y prendre l'autorité que cette mesure lui donne; ...
    Westphalen war seit Ende 1811 im kritischen Visier Napoleons, da am 24.11.1811 der königliche Palast in Kassel abbrannte und am 24.12.1811 der dortige Großstallmeister, General Morio, ermordet wurde. Napoleon sah hier die Gefahr aufkommender Rebellionen (auch in Verbindung mit den ihm seit 1809 bekannten Plänen einiger Exil-Preußen), so dass die Verschärfung des Tons gegenüber seinem Bruder nachvollziehbar ist ... und Magdeburg als strategisch wichtiger Punkt an der Elbe war für Napoleon von elementarer Bedeutung - gerade hinsichtlich seiner Pläne für den Feldzug gegen Russland.

    Ein ganzes Kapitel mit der Überschrift "La crise d'avant-guerre en Westphalie (Décembre 1811 - mars 1812)" aus dem Werk von Abel Mansay Jérome Napoléon et la Pologne en 1812, Paris 1931 (siehe http://books.google.de/books/about/J...AJ&redir_esc=y), widmet sich dem gestörten Verhältnis Jéromes mit Napoléon.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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    • #3
      Zunächst vielen Dank für die Literaturhinweise !

      Sicher kommen da noch einige Fragen meinerseits, denn diese Aktion, man sprach damals von " demolieren " traf naturgemäß auf wenig Verständnis bei den betroffenen Menschen.

      Diese wurden zwar durch Land und Wiesen entschädigt und die eigenen Steine, das Holz etc. durften sie zwar mitnehmen, mehr war nicht.

      An Stelle der Sudenburg wurde daraufhin die Schanze Napoleon errichtet, die nach 1814 sinnigerweise Scharnhorst hieß.
      Nach Auflassung der Festung lange Brach, heute an diesem Ort seit längerem ein Stadtbad.
      Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

      Alexander W. Suworow

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      • #4
        Correspondance Napoleons, Bd. 23

        Zitat von Suworow Beitrag anzeigen
        Am 02. Februar 1812 verhängte Napoleon den Belagerungszustand über Stadt und Festung.
        ...
        Meine Frage, ist die Ordre Napoleons im Wortlaut bekannt ?
        ...

        Der gesuchte Befehl Napoleons findet sich in einem Schreiben an Maret, Hzg. von Bassano und Minister der Auswärtigen Beziehungen, vom 2. Februar 1812 (Nr. 18472 der Correspondance):

        Napoléon I., Correspondance de Napoléon Ier : publ. par ordre de l’empereur Napoléon III. Bd. 23, Paris: Impr. impériale, 1868, S. 200f

        Gruß, Tom
        Zuletzt geändert von Tom; 15.12.2013, 14:09.

        Kommentar


        • #5
          Vielen Dank Tom !
          Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

          Alexander W. Suworow

          Kommentar


          • #6
            Zitat von Suworow Beitrag anzeigen
            Beide Städte, Sudenburg südwestlich und die Neustadt nördlich der Festung gelegen, durchbrachen mit ihren Bebauungen das Glacis der Festung erheblich.
            Daher war rein militärisch gesehen ein Abriß gerechtfertigt.

            Vielleicht erwähnenswert, das in beiden Städten rund 400 Häuser abgerissen werden mussten, was einen Schaden von ca 1.292 911 Talern ausmachte. (1)

            Meine Frage, ist die Ordre Napoleons im Wortlaut bekannt ?

            In der Planung war das schon ab 1810, die Umsetzung erfolgte aber erst in 1812.

            (1) nach " Magdeburg während der Blokade in den Jahren 1813 und 1814 "
            Paul Wendt 1913
            Es handelt sich mit Sicherheit nicht um das ausgeschüttete Glacis (welches i.d.R. nur 100-200 Schritt tief ist), welches auch zu Friedenszeiten niemals bei den Festungen I-III. Ranges bebaut werden durfte, sondern um das Vorfeld der Festung, den sogenannten Rayon, der entweder gar nicht oder nur leicht bebaut werden durfte und der bis zu 1500 Schritt tief sein konnte, was der maximalen Entfernung der 1. Parallele bei einem förmlichen Angriff entsprach. Typischerweise wurde allerdings die 1. Parallele schon 1000 Schritt von den anzugriefenden Werken angelegt. Zweck der Maßnahmen war, das Anlegen von Posten, Minen, Approchen, Kommunikationen und Batterien im deckungslosen Vorfeld zu erschweren und dadurch den förmlichen Angriff zu verzögern.

            Die Bewohner der Vorstädte waren per Rayonbestimmung verpflichtet, die Gebäude auf eigene Kosten niederlegen zu lassen (wäre hier nachzuprüfen), was in d.R. erst bei der Armierung (also bei Kriegsgefahr) geschah. Der eigentliche Belagerungszustand wird i.d.R. erst bei einem drohenden Angriff erklärt. Soweit der Regelfall, der sich auch bei Belagerungen anderer Städte in den jahren 1813/14 wie Hamburg, Danzig, Erfurt, Mainz etc. wiederfindet.

            Im übrigen wüßte ich gerne den Wortlaut aus den Correspondences.
            Zuletzt geändert von Blesson; 16.12.2013, 12:04.
            Do, ut des

            http://www.ingenieurgeograph.de

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            • #7
              Zitat aus der Correspondance

              Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
              ...

              Im übrigen wüßte ich gerne den Wortlaut aus den Correspondences.
              Bitteschön:

              http://books.google.de/books?id=EPQtAAAAYAAJ&pg=PA201 (oben, 1. Absatz)

              Der Brief ist vor dem Hintergrund, dass Westphalen "Ausland" war, zu lesen. Gleichwohl war die westphälische Festung Magdeburg überwiegend von frz. Truppen besetzt, hatte auch einen frz. Gouverneur. Der frz. "Minister" (Botschafter) in Kassel war Baron (Graf) Reinhard, vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_Reinhard und http://books.google.de/books?id=8OJ5AAAAIAAJ

              Gruß, Tom

              Kommentar


              • #8
                Hier noch etwas Zusatzinformation:

                http://hal.archives-ouvertes.fr/docs..._la_guerre.pdf, S.508f. = pdf S.30f.

                "Le 22 février 1812, l’Empereur ordonne la mise en état de siège de Magdebourg. Les
                faubourgs de Sudenbourg et de Neustadt doivent être rasés, car leurs maisons sont
                dangereusement proches des enceintes de la forteresse. Le ministre de la guerre, le général Clark
                vient de présenter, le 15 février, à l’Empereur un projet de décret stipulant la démolition de la
                totalité des maisons du faubourg de Sudenbourg et de celles de Neustadt qui se trouvent à une
                distance inférieure à 320 mètres des saillants de la crête du chemin couvert de la place forte.
                Toutes ces démolitions devront être terminées au premier juillet 1812 (50).
                Les casemates existant sur la promenade du Fürstenwall devront être évacuées par les particuliers. Ces mesures ne sont
                pas neuves en tant que telles, déjà les Prussiens procédaient de la sorte en cas de besoin. Les
                clauses du décret paraissent dures pour les habitants et le ministre [de] la guerre ne semble guère
                s’être occupé de leur sort. Or, sur le dos du projet de décret, on trouve une annotation faite par
                l’Empereur, comme il avait l’habitude de le faire, avec son écriture presque illisible :
                « Les particuliers seront dédommagés par le gouvernement westphalien avec les
                propriétés appartenant aux domaines de Westphalie de la province de Magdebourg. »

                ...Il semble donc que l’initiative d’indemniser les habitants est partie de l’Empereur."

                (50)
                A.N./A.F./IV/1168, rapport du ministre de la guerre à l’Empereur, le 15 février 1812, le contenu
                militaire du décret était conforme aux dispositions arrêtées au dernier conseil du génie

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                • #9
                  Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                  Es handelt sich mit Sicherheit nicht um das ausgeschüttete Glacis (welches i.d.R. nur 100-200 Schritt tief ist), welches auch zu Friedenszeiten niemals bei den Festungen I-III. Ranges bebaut werden durfte, sondern um das Vorfeld der Festung, den sogenannten Rayon, der entweder gar nicht oder nur leicht bebaut werden durfte und der bis zu 1500 Schritt tief sein konnte.....
                  Die Magdeburger Festung hatte da mit der Sudenburg und der Neustadt offensichtlich einige Besonderheiten!?
                  Der südliche Rand der Neustadt reichte bis unmittelbar an das Glacis heran, also direkt innerhalb des Vorfeldes.
                  Bei der Sudenburg noch anders.
                  Die Sudenburg ist ein sehr alter Flecken gewesen. Dort wuchs die Festung an den Ort ran.
                  Um 18106, zum Zeitpunkt der Übernahme der preußischen Festung Magdeburg, lag dieser Ort praktisch zwischen dem Stern ( Fort Berge ) und der eigentlichen Festung.
                  Also praktisch im Vorfeld der Festung.
                  An anderen Stellen der Festung, wie in der Altstadt z,B wurden ebenfalls Gebäude niedergelgt, aber das nur vereinzelt.
                  Bei den Orten Sudenburg und Neustadt handelte es sich um gewachsene Landstädte.
                  Mit der Sudenburg wurde übrigens gleichzeitig das Kloster Berge abgerissen, so dass zwischen dem Stern und der Festung Glacis und Vorfeld rund 1.000 m in der Halberstädter Richtung frei war.
                  Das dürften wohl so um die 1.500 Schritt gewesen sein.

                  Insgesamt wurden in der Zeit von 1812 bis 1814 schrittweise vier Schanzen errichtet.
                  Jérome - Schanze am Weidenwerder zwischen Elbe und alter Elbe;
                  Lamarois - Schanze vor der Zitadelle und der Zollelbe;
                  Napoleon - Schanze auf der vormaligen Sudenburg;
                  Weiden - Schanze auf dem Werder;
                  Zuletzt geändert von Suworow; 16.12.2013, 17:22.
                  Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                  Alexander W. Suworow

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                  • #10
                    Zitat von Tom Beitrag anzeigen
                    Bitteschön:

                    ......Gleichwohl war die westphälische Festung Magdeburg überwiegend von frz. Truppen besetzt, ......
                    Muß es nicht korrekt heißen, eine eine französich besetzte preußische Festung im Königreich Westphalen ?

                    Ich bin Lokalpatriot !
                    Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                    Alexander W. Suworow

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                    • #11
                      Zitat von Suworow Beitrag anzeigen
                      Die Magdeburger Festung hatte da mit der Sudenburg und der Neustadt offensichtlich einige Besonderheiten!?
                      Der südliche Rand der Neustadt reichte bis unmittelbar an das Glacis heran, also direkt innerhalb des Vorfeldes.
                      Bei der Sudenburg noch anders.
                      Die Sudenburg ist ein sehr alter Flecken gewesen. Dort wuchs die Festung an den Ort ran.
                      Um 18106, zum Zeitpunkt der Übernahme der preußischen Festung Magdeburg, lag dieser Ort praktisch zwischen dem Stern ( Fort Berge ) und der eigentlichen Festung.
                      Also praktisch im Vorfeld der Festung.
                      An anderen Stellen der Festung, wie in der Altstadt z,B wurden ebenfalls Gebäude niedergelgt, aber das nur vereinzelt.
                      Bei den Orten Sudenburg und Neustadt handelte es sich um gewachsene Landstädte.
                      Mit der Sudenburg wurde übrigens gleichzeitig das Kloster Berge abgerissen, so dass zwischen dem Stern und der Festung Glacis und Vorfeld rund 1.000 m in der Halberstädter Richtung frei war.
                      Das dürften wohl so um die 1.500 Schritt gewesen sein.
                      Die preußischen Rayonbestimmungen traten nach meiner Erinnerung erst nach 1816 in Kraft. Die französischen vor 1815 müßten noch recherchiert werden. Im 2. Rayon durften beispielswiese nur einstöckige Häuser aus Holz ohne Unterkellerung erbaut werden, die im Bedarfsfall rasch abgebrannt werden konnten. Wenn es sich allerdings um gewachsene Vorstädt handelte, wäre es wider die Ökonomie gewesen, diese dann schon in Friedenszeiten für die Demolierung im Kriege einzurichten.

                      Aus fortifikatorischer Sicht sind die Vorstädte Sudenburg, Neustadt etc. eine Bausünde aus preußischer Zeit. Andernorts durften die Ingenieure radikaler vorgegehen, siehe z.b. Wesel, Ca. 1811: Hier wurde der alte Ort Büderich auf der linken Rheinseite, der unmittelbar im Vorfeld des neuen Forts Napoléon lag, kurzerhand ca 1 1/2 Kilometer nach Südwesten verlegt... Es ist also eine Frage der zu zahlenden Entschädigungen.

                      Eine weitere Lösung ist die Vorstädte selbst in die Enceinte mit einzubeziehen...


                      P.S. Ein Schritt mit 75 bis 80cm gerechnet.
                      Do, ut des

                      http://www.ingenieurgeograph.de

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                      • #12
                        Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
                        Hier noch etwas Zusatzinformation:

                        http://hal.archives-ouvertes.fr/docs..._la_guerre.pdf, S.508f. = pdf S.30f.

                        "Le 22 février 1812, l’Empereur ordonne la mise en état de siège de Magdebourg. Les
                        faubourgs de Sudenbourg et de Neustadt doivent être rasés, car leurs maisons sont
                        dangereusement proches des enceintes de la forteresse. "
                        Merci vielmals für das Zitat. Mit der Rasierung der Vorstädte wurde 1812 das nachgeholt, was preußischerseits 1806 versäumt worden war. Hier haben wir also eine Armierung mit vorgezogenem Belagerungszustand.

                        Es ist in der Tat äußerst bemerkenswert, daß ein Etappenort, der weit vom Kriegstheater in Polen entfernt liegt, schon vor der Campagne in Belagerungszustand versetzt wird. Dies hebt die enorme strategische Bedeutung Magdeburg als "Place de Dépôt", also Festung 1. Ranges als Depot und Verkehrsknotenpunkt hervor, die als einziger Platz an der Elbe einer förmlichen Belagerung von ca. 6 Wochen widerstehen sollte.
                        Zuletzt geändert von Blesson; 16.12.2013, 20:30.
                        Do, ut des

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                        • #13
                          Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                          ....

                          Aus fortifikatorischer Sicht sind die Vorstädte Sudenburg, Neustadt etc. eine Bausünde aus preußischer Zeit. ....
                          Das mag wohl für die Neustadt zustimmen.
                          Die Sudenburg ( erstmals 965 erwähnt und Stadt seit 1368 ) hatte das Pech zu nahe an Magdeburg zu liegen.
                          Wurde übrigens ständig durch die Festung " geschubst " und bereits im 30 -ig Jährigen Krieg schon einmal aus den o.g. Gründen niedergelegt.

                          Der Entschluß Napoleons war zwingend logisch und in der Folge bedeutend.
                          Während der Handlungen der Jahre 1813/14 haben die Kräfte der alliierten Preußen, Russen und Österreicher niemals ausgereicht die Feste Magdeburg zu nehmen.
                          Außer einer weiträumigen Blockierung war da strategisch & taktisch nicht mehr drin.
                          Selbst das gelang lange Zeit nur symbolisch, denn den Truppen Napoleons gelangen immer wieder raumgreifende Ausfälle, um vor allem zu Fouragieren.
                          Zuletzt geändert von Suworow; 16.12.2013, 20:49.
                          Tu´ im Kriege das, was der Gegner für unmöglich hält.

                          Alexander W. Suworow

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                          • #14
                            Napoleon als Feldherr / Magdeburg nach Tilsit

                            Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
                            ...

                            Es ist in der Tat äußerst bemerkenswert, daß ein Etappenort, der weit vom Kriegstheater in Polen entfernt liegt, schon vor der Campagne in Belagerungszustand versetzt wird. Dies hebt die enorme strategische Bedeutung Magdeburg als "Place de Dépôt", also Festung 1. Ranges als Depot und Verkehrsknotenpunkt hervor, die als einziger Platz an der Elbe einer förmlichen Belagerung von ca. 6 Wochen widerstehen sollte.
                            Ja, das finde ich auch bemerkenswert. Es zeigt die Vorsicht des Feldherrn Napoleon, der also Rückschläge in Russland nicht ausschließen mochte, vielleicht auch einer durchaus denkbaren russ. Präventivoffensive einen Riegel an der Elbe vorschieben wollte.

                            Zitat von Suworow Beitrag anzeigen
                            Muß es nicht korrekt heißen, eine eine französich besetzte preußische Festung im Königreich Westphalen ?

                            Ich bin Lokalpatriot !
                            Formal korrekt war Magdeburg seit den Friedensverträgen von Tilsit, in denen Preußen alles linkselbische Territorium (plus den Magdeburger Festungsrayon rechtselbisch?) an das noch zu schaffende Kgr. Westphalen abtreten musste, westphälisch. Die - wiederum von Napoleon diktierte - westphälische Verfassung sah vor, dass die westph. Armee 25.000 Mann unter Waffen halten sollte, in den ersten Jahren ergänzt durch ein frz. Kontingent, wenn ich nicht irre. Dieses frz. Kontingent bildete offensichtlich den größeren Teil der Magdeburger Garnison, wie praktisch .

                            Gruß, Tom
                            Zuletzt geändert von Tom; 17.12.2013, 13:14.

                            Kommentar


                            • #15
                              Mit einer russischen Bedrohung wurde von Seiten des Militärs scheinbar schon im Frühjahr 1811(!) gerechnet. Im Mai 1811 wurde wegen eines möglichen russischen Angriffs für Magdeburg der Belagerungszustand angeordnet (offenbar von Davout?), wobei Magdeburgs Militärgouverneur Michaud wegen anhaltenden Kompetenzgerangels aber nicht genau wusste, wie er mit diesem Befehl umgehen sollte

                              Aus Sicht der französischen Armee war Magdeburg eben nicht eine gewöhnliche Festung unter gänzlicher Kontrolle der westfälischen Regierung und Verfassung, sondern, aufgrund ihrer strategischen Bedeutung, eine "kaiserliche" Festung, deren Garnison direkt dem Kaiser bzw. der kaiserlich-französischen (nicht der königlich-westfälischen) Armee unterstand (Napoleon sah das ja offensichtlich genauso). Jérômes Versuche, Stadt und Garnison unter seine alleinige Kontrolle zu bringen, wurden u.a. von Davout als oberstem zuständigen Armeebefehlshaber entsprechend abgeblockt:

                              http://hal.archives-ouvertes.fr/docs..._la_guerre.pdf, S.505 = pdf S.27

                              "...Jérôme essaie de prendre le commandement sur la place et sa garnison, ce qui déconcerte le gouverneur
                              qui s'adresse à ses supérieurs pour savoir à quoi s'en tenir. Le maréchal Davout prescrit qu'aucun
                              ordre ne sera exécuté que lorsqu'il l'aura transmis lui-même. « Persuadé que cette forteresse
                              appartient à Votre Majesté », écrit Clarke à l'Empereur, « le Prince d'Eckmühl suppose que les
                              autorités civiles seules doivent avoir des relations avec le gouvernement westphalien, et que les
                              militaires ne doivent recevoir d'ordres que des chefs français.» Mais le maréchal « insiste sur
                              l'importance de lever toutes les incertitudes à cet égard (37). » Mais les compétences respectives
                              restent obscures. Au mois de mai, au plus fort de l'alerte du printemps 1811, lorsque les
                              mouvements de troupes russes font craindre une agression, la place de Magdebourg est mise en
                              état de siège, ce qui prouve que la fermeté du maréchal de fer, qui n'a pas trop de partisans parmi
                              les historiens locaux, était militairement nécessaire. Une lettre du général Michaud ne révèle pas
                              seulement le caractère exceptionnel de la situation mais aussi l'obscurité du statut de
                              Magdebourg: « Votre Excellence me dit que la place est en état de siège. Je n'ai encore reçu à cet
                              égard aucun ordre et je n'ai pas eu de motifs pour prendre une semblable mesure sans qu'elle me
                              fut (sic) prescrite. Si telles sont les intentions de Votre Excellence, je la prie de me donner des
                              ordres et des instructions sur la manière d'établir mes rapports avec les autorités du pays et même
                              avec le gouvernement westphalien. Je ne connais pas de règlements qui statuent sur la position
                              dans laquelle je me trouve .Commandant pour Sa Majesté l'Empereur dans une place où toutes
                              les autorités civiles nous sont étrangères et reçoivent des ordres d'un souverain frère du nôtre
                              […](38)», il se voit obligé de proposer lui-même un ensemble de mesures à prendre dans un tel
                              cas."


                              (37) A.N./AF/IV/1110, 11, Rapport de Clarke du 17 février 1811, et 12, copie de la lettre du 27 janvier
                              du général Michaud, comprenant l'ordre du Roi de Westphalie du 18 janvier: "...Lorsqu'un des aides de
                              camp de service arrivera, soit ans une division, soit dans une place forte ou à l'armée, l'ordre du Roi qu'il
                              transmettra par écrit ou verbalement, sera obligatoire."

                              (38) A.N./293 AP/3, lettre du général Michaud adressée au Prince d'Eckmühl, le 9 mai 1811; le
                              général croit que la lettre le renseignant sur la mise en état de siège, a été précédée par une autre qui ne lui
                              est pas parvenue.

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