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Singen zu Zeiten Napoleons verbreitet?

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  • Singen zu Zeiten Napoleons verbreitet?

    Da ich selbst leidenschaftliche (Chor)Sängerin bin, interessiert es mich, inwiefern in der napoleonischen Ära gesungen wurde. Natürlich gibt es da die berühmten Soldatenlieder, aber was ist darüber hinaus noch populär gewesen? Ein Chorwesen hat es damals wahrscheinlich noch nicht gegeben, aber vielleicht gab es nette Liedchen für die "Hausmusik"?
    Und noch eine Frage zu den Soldatenliedern: wann hat man die gesungen? Im Lager, abends am Feuer oder vielleicht auch auf dem Marsch? In den Kasernen (wo sich die Soldaten wohl höchst selten aufgehalten haben dürften )?
    Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

    "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

  • #2
    Chorwesen hat es sehr wohl gewesen, wenn ich nur an die ganzen Oden der französischen Revolutionszeit denke.

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    • #3
      Sehr ausgeprägt scheint die Singerei bei den Russen gewesen zu sein.
      Erinnert sei an Kutusows Befehl "Sänger nach vorn!" aus dem Film "Krieg und Frieden".
      Auch ist ja ein komletter Soldaten-Chor vom Zaren dem Preußischen König geschenkt worden.

      Jörg
      The light at the end of the tunnel
      is from an oncoming train.

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      • #4
        Die Russen waren aber doch sicher professionelle Sänger.

        Ich meinte eher, ob es Laien-Sänger gab, die sich in Chören zusammengeschlossen haben und mehr oder weniger regelmäßig geprobt haben, um dann bei gegebenen Anlässen zu singen. Die Professionellen gab es natürlich, auch Kirchen- und Knabenchöre. Aber wie gesagt, ich denke eher an den privaten Bereich.

        @HKDW: Weißt Du, ob und wo man Partituren von den Oden bekommen kann? Oder wenigstens Texte?
        Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

        "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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        • #5
          Die beiden Standardwerke sind:

          Titel: Les hymnes et chansons de la Révolution / Aperçu général et catalogue avec notices historiques, analytiques et bibliographiques par Constant Pierre
          Beteiligt: Pierre, Constant
          Erschienen: Paris : Impr. Nationale, 1904
          Umfang: XIV, 1040 S.

          und

          Titel: Musique des fêtes et cérémonies de la Révolution Française : oeuvres de Gossec, Cherubini, Lesueur, Méhul, Catel, etc. / recueillies et transcrites par Constant Pierre
          Beteiligt: Pierre, Constant
          Erschienen: Paris : Imprimerie Nationale, 1899
          Umfang:
          LXXIX, 582 S.

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          • #6
            Ah, super! Danke Sans-Souci!

            Dann werde ich mal wieder meinen Bibliothekar bemühen müssen :attention:
            Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

            "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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            • #7
              Ich muß gestehen, daß mir die Art der Frage merkwürdig vorkommt, denn anders als heute, wo man bestenfalls Zwangs-Singen im Musikunterricht, dem Kunstlied als Vortrag, Chorsmusik oder sog. Volksmusik à la Heustadel konfrontiert wird, gehörte vor 200 Jahren das Singen auch zum Alltag. Bei gemeinschaftlicher Arbeit wurde fast immer gesungen - mir fallen ein:

              - Dreschen auf der Deele
              - Mähen, Schnittern
              - Spinnen
              - Rudern
              - Treideln von Schiffen
              - Aufziehen der Segel => Seemannslieder

              Ich verwette mich, daß es noch hunderte weitere Anlässe gab, um gemeinsam zu singen.

              Da es bei mündlichen Überlieferung immer so ein Ding mit dem Aufzeichnen ist, wird es diese erst ab Anfang des 19. JH Aufzeichnungen geben, siehe z.B. Märchen der Gebrüder Grimm oder Liedsammlungen von Greim. Das nur als Anregung, Volkskundler werden mehr wissen.

              LB
              Do, ut des

              http://www.ingenieurgeograph.de

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              • #8
                Das Singen war eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Zeiten ohne Radio und Fernsehen.
                Wie Blesson schon schrieb, wurde zu allen möglichen Gelegnheiten gesungen. Die Lieder wurden in der Regel mündlich weitergegeben, da die wenigsten lesen und schreiben, geschweige denn Noten lesen und schreiben konnten. Daher existieren auch kaum Liederbücher mit nichtgeistlichem Inhalt.
                Erst die großen Volksliedsammler Ditfurth, Böhm, Erk etc. machten sich die Mühe und schauten dem Volk auf´s Maul und schrieben in etwa ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts auf was sie hörten. Zumindest die deutschsprachigen Lieder.
                Ditfurt hat zu Beispiel eine Zeitlang in Berlin in der Nähe einer Kaserne gewohnt und hat viele handschriftliche Liederbücher der Soldaten abgeschrieben. Die hatten sich die Texte notiert, die Melodie hatten sie ja gehört.
                Preußens Soldaten hatten auch viel gesungen, in Lagern etc. bildeten sich Chöre, die die anderen mit Liedern erfreuten. Siehe hierzu z.B. Förster und Alexis. Während der Befreiungskriege erfreuten sich augenscheinlich Spottlieder (getextet auf bekannte Melodien) auf Napoleon und die Franzosen überhaupt, sehr großer Beliebtheit (in Preußen). Diese kame in Massen meist anonym heraus und wurden als fliegende Blätter unters Volk gebracht.

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                • #9
                  Hier mal ein Link zu Liedern,
                  die meisten Lieder kannst Du anklicken und dann anhören. ( auch zum mitlesen und mitsingen)

                  Auf's rote "Chants" klicken damit Du alle anhören kannst.


                  Viel Vergnügen.

                  Schreibt mal wie es Euch gefällt.

                  http://10escadron.free.fr/pages/chants/fanchon.php


                  Grüsse vom Voltigeur
                  Zuletzt geändert von Voltigeur; 08.07.2007, 23:20.

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                  • #10
                    2 dinge fallen mir zum thema singen ein:

                    - hat nicht auch N gerne (aber falsch) gesungen?

                    - haben die preussen nach der gewonnnenen schlacht von waterloo gesungen: "nun danket alle gott"?

                    gruss, muheijo

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                    • #11
                      Nun danket alle Gott wurde von Preussens gerne nach Schlachten angestimmt.
                      Nach Waterloo gab´s auch "Heil dir im Siegerkranz" , die Engländer sollen mit eingefallen sein. Die Melodie ist die gleiche wie die der englischen Nationalhymne

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                      • #12
                        @ voltigeur
                        Den Link habe ich in einem anderen Thread auch schon mal gefunden (wahrscheinlich auch von Dir gepostet?).

                        Die Lieder gefallen mir gut, vor allem "Auprès de ma blonde" ist ein sehr schönes Lied. "Passant à Paris" und "Le Tourdion" sind sehr interessant arrangiert und haben viel Dynamik. Wobei ersteres mich an unsere heimischen Männergesangsvereine erinnert, aber glücklicherweise ist das Lied wegen der französischen Sprache um einiges schöner als die Weisen, die die MGVs unters Volk schmeißen.

                        Also war das Singen tatsächlich fest im Alltag verankert - nicht so wie heute, wo fast jeder einen roten Kopf bekommt, wenn er was singen soll. Das andere Extrem sind peinliche Karaoke-Auftritte, wo sich zig Leute gegenseitig Massen von falschen Tönen vor die Füße werfen.

                        Weiß jemand, ob das angesprochene Liedgut auch im Re-enactment aufrecht erhalten und gepflegt wird? Ich habe in Jena bei den Franzosen ein Lied gehört (welches, weiß ich nicht mehr), im Lager. Darüber hinaus aber leider nichts.
                        Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

                        "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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                        • #13
                          Madame, bei der westfälischen Landwehr wird zumindest das deutsche Liedgut in Ehren gehalten und geträllert was das Liederbuch so hergibt.
                          Die Landwehr-Lerchen (ein gemischter Chor aus Leuten die singen können und welchen, die besser schweigen sollten ) haben schon einen berühmt berüchtigten Ruf......
                          Ich persönlich finde französischerseits das Lied "Sur la Route la Dijon" ganz nett.

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                          • #14
                            Aha, westfälische Landwehr ... wo sind die denn "stationiert"? Interessiert mich, da ich selber (Süd)Westfälin bin.
                            Inwiefern "berühmt berüchtigt"? Sollte man Sack und Pack schnappen, wenn sie kommen und beginnen zu trällern? Sollte es tatsächlich so schlimm sein? Naja, ich kenne selbst manches Beispiel von Leuten, die meinen, sie könnten singen und die dann am lautesten krakelen, während die, die wirklich was können, unter diesen Stentor-Schreien begraben werden.
                            Aber am Wichtigsten ist doch, dass die Lieder überhaupt überleben und dass die Leute Spaß daran haben (vielleicht auch die, die zuhören ).
                            Adrienne-Louise-Hervé Carbonnel de Canisy

                            "Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden." Friedrich II von Preußen

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                            • #15
                              Das Liedgut wird leidig im Re - enactment gepflegt, von den meisten Liedern können die Leute nur eine Strophe, selbstgedichtete Marschlieder - einer singt vor - andere antworten gibt es ganz selten.

                              Aber es ging ja eigentlich um Chöre?

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