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Offiziersdienstgrade Zusätze aggr. + char.

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  • Offiziersdienstgrade Zusätze aggr. + char.

    Bei vielen Offizierslisten stößt man auf die Zusätze aggregiert und charakterisiert.
    Nun stellt sich die Frage, was denn genau damit gemeint ist.
    Bisher habe ich dies so verstanden:
    Aggregiert = Beförderung in den höheren Dienstgrad mit der Berechtigung, diesen höheren Dienstgrad zu führen, unter Beibehaltung der aktuellen Dienststellung und des aktuellen Tractaments
    Charakterisiert = Beförderung in den höheren Diensstgrad mit der Berechtigung, diesen höheren Dienstgrad zu führen, unter Beibehaltung der aktuellen Dienststellung allerdings mit dem Tractament des höheren Dienstgrades.

    Habe ich das so richtig verstanden ?
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  • #2
    Bei den Preußen - falls das etwas hilft - ist der aggregierte Offizier einem Truppenteil als überzähliger Offizier zugewiesen, erhält in der Regel geringeres (halbes) Gehalt, nimmt deswegen in der Regel auch nicht am eigentlichen Kompaniedienst teil, hat aber Wache, Ronde etc. wie alle anderen Offiziere.

    Beim Avancement innerhalb des Truppenteiles, dem er aggregiert ist, bleibt er außen vor, kann aber hoffen, wenn er gut ist, irgendwann einmal einrangiert zu werden.

    Nach 1807 und nach 1815 hatte die Preußische Armee jeweils eine riesige Menge an aggregierten Offizieren.

    In Preußen kenne ich den Ausdruck "Charakter" nur in Verbindung mit Pensionierungen oder Verabschiedungen. Der betreffende Offizier (z. B. ein Oberst) wird am Tage seiner Verabschiedung befördert ("mit dem Charakter als General-Major"), und kann sich forthin Generalmajor a.D. (außer Dienst - dieser Zusatz stammt glaube ich aber erst aus späterer Zeit) nennen.

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    • #3
      So ähnlich kenne ich das auch. Der "Charakter" wirkte sich wohl nicht auf die Bezüge aus und ist mir auch nur in Bezug auf die Pensionierung untergekommen als eine Art Anerkennung für lange Dienste.

      Sind die aggregierten Offizier dann so eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, damit nicht Unmengen an Offizieren auf Halbsold im Land herumlungerten? Hatten im Vergleich dazu die Offiziere von der Armee ihre vollen Bezüge ohne einem Truppenteil anzugehören? Die preußische Beschreibung der aggregierten Offiziere ähnelt den Offiziere a la suite der französischen Armee während der Restauration.

      Aus den sächsischen Ranglisten lese ich heraus, dass die aggregierten Offiziere möglichweise etwas anders einzuordnen sind. Wir haben das Beispiel des Majors von Nehrhoff, der 1810 als aggregierter Major bei der 3. Eskadron der Zastrowkürassiere stand. Neben ihm gab es aber noch zwei weitere etatmäßige Major im Regiment, die ebenfalls Eskadrons führten. 1812 ist von Nehrhoff immer noch Major beim Regiment aber nicht mehr als aggregiert eingestuft. Ende 1812 wurde er Oberstleutnant und führte das Regiment 1813 vmtl. zeitweise als Kommandeur.
      Ich nehme daher an, dass Nehrhoff vermutlich ganz normaler Regimentsoffizier war, der aus welchen Gründen auch immer zum aggregierten Major befördert worden ist (und wohl sein Rittmeistergehalt weiter bezog). Eine etatmäßige Planstelle als Major war aber nicht frei, da im Regiment bereits zwei Majorsstellen besetzt waren. Später rückte er dann nach.

      Viele Grüße,

      Gunter

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      • #4
        Die aggregierten Offiziere waren nicht nur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondern hielten gleichzeitig Offiziere im Land, statt daß sie in anderen Staaten Anstellung suchten, gleichzeitig verloren sie auch nicht die Verbindung zum Dienst, blieben quasi in Übung ...

        Der Vorteil für den Staat war, daß man so eine Art Offiziers-Reserve für künftige Kriege behielt.

        Nach der Militairischen Encyclopädie von F. L. Streit, 1800 in Berlin erschienen, Bd. 1, S. 63:
        Außerdem giebt es noch eine Menge Officiere, welche weder zur Suite gehören, noch als ein wesentlicher Bestandtheil bei irgend einem Regimente oder Bataillon angestellt sind, und diese werden Officiere von der Armee genannt. Ein Theil hiervon [...] zuletzt dient ein Theil wirklich in der Armee, und ist vorläufig ad interim bei einem Bataillon oder Regiment angestellt, ohne eigentlich demselben einverleibt zu seyn, dergleichen Officiere heißen aggregirte Officiere.
        Und zu denZahlenverhältnissen nach 1815:
        Summarische Nachweisung der aggregirten Offiziere in den Jahren 1816 bis 1821:

        August 1816: Summa 1536 Offiziere
        August 1817: Summa 1232 Offiziere
        August 1818: Summa 1117 Offiziere
        August 1819: Summa 1005 Offiziere
        August 1820: Summa 542 Offiziere
        August 1821: Summa 480 Offiziere

        Am 7ten März 1822 war der Bestand der aggregirten Offiziere 441.

        Summarische Nachweisung der aggregirten Offiziere, welche in den Jahren 1816 bis 1821 in die Armee einrangirt sind:

        1816: Summa 357 Offiziere
        1817: Summa 234 Offiziere
        1818: 1 Summa 93 Offiziere
        1819: Summa 58 Offiziere
        1820: Summa 146 Offiziere
        1821: Summa 76 Offiziere

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        • #5
          Das sind ja wirklich ziemlich viele. Wie kam es eigentlich dazu, dass soviele nach den Kriegen übrig blieben? Schließlich hatte man doch eine ziemliche Anzahl neuer Einheiten aufgestellt und die Truppen im Krieg waren offiziersmäßig nicht selten unterbesetzt. Außer der Landwehr wurden doch keine Truppen aufgelöst.

          Viele Grüße,

          Gunter

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          • #6
            Sehr viele waren ehemalige Landwehr-Offiziere, die das Recht hatten, nach Ablegung eines Offiziers-Examens mit ihrem Dienstgrad in die Linie überzutreten.

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            • #7
              Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
              So ähnlich kenne ich das auch. Der "Charakter" wirkte sich wohl nicht auf die Bezüge aus und ist mir auch nur in Bezug auf die Pensionierung untergekommen als eine Art Anerkennung für lange Dienste.
              Nein im Gegenteil, z.B. ein im Charakter eines Majors verabschiedeter Capitaine bzw. Hauptmann bezog ein höheres Ruhegehalt als Anerkennung. Bei der Verabschiedung schied er aus der Anciennitätsliste aus und machte dadurch den jüngeren nachrückenden Offiziere das weitere Avancement frei. Die verabschiedeten Offiziere wurden dann nicht mehr in der Rang- und Quartlierliste geführt. Um dies kenntlich zu machen, wurden die Passanten an der Uniform, die weiter getragen werden durfte, mit "Zacken" versehen. Die Abteilungsnummer wurde aus den Epaulettenfeldern genommen?

              Siehe Louis Blesson en personne ab 1829 mit Kriegsdenkmünze, EK2 und RAO 4. Klasse:

              Zuletzt geändert von Blesson; 09.02.2011, 18:36.
              Do, ut des

              http://www.ingenieurgeograph.de

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              • #8
                Zitat von Sans-Souci Beitrag anzeigen
                Sehr viele waren ehemalige Landwehr-Offiziere, die das Recht hatten, nach Ablegung eines Offiziers-Examens mit ihrem Dienstgrad in die Linie überzutreten.
                Das hängt erstens auch sicher damit zusammen, daß die Landwehrregimenter (als Reserve) nach 1815 auf Friedensfuß gesetzt wurden, im Gegensatz zu den Linienregimentern des stehenden Heeres. Siehe Gesetz zur Kriegsdienstpflicht von 1814. Regulär hätten diese Offiziere drei Jahre lang die Kriegsschule besuchen müssen...? War das bei einem kärglichen Tractament und für einen im Beruf stehenden Mann wirklich eine Alternative? Ich vermute daher, daß dies nur für die jüngsten Lieutenants eine Option war...

                Zum zweiten ist die Abnahme bis 1821 wohl damit zu erklären, daß die verabschiedeten Landwehroffiziere sich wieder einem zivilen Behufe zuwandten, und auch bevorzugt bei der Vergabe der Beamtenstellen bedacht wurden. Sie kamen also irgendwie unter...
                Zuletzt geändert von Blesson; 09.02.2011, 18:30.
                Do, ut des

                http://www.ingenieurgeograph.de

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                • #9
                  Ich war immer der Meinung, daß der "Charakter" lediglich einen höheren Status bedeutete, ohne weitere Vorteile.

                  Hab aber keine Belege dafür, außer diesem Vorschlag hier, von Prinz August von Preußen an den vortragenden General-Adjutanten v. Thile, Breslau, den 25. Februar 1813 :

                  Durch den Tod des Generals von Pontanus ist die Stelle eines Präses der Artillerie-Prüfungs-Kommission erledigt worden; [...] so schlage ich Ew. K. Majestät im Einverständniß mit dem General v. Scharnhorst, den Oberst v. Oppen zum Präses dieser Kommission allerunterthänigst vor. Der Oberst v. Oppen hat neben einer fast 50jährigen Dienstführung sehr gute Kenntnisse und hat sich durch sein Benehmen in Danzig besonders ausgezeichnet, so daß er sich ganz zu dieser Stelle eignet. Ich bitte demnach Ew. K. Maj. allerunterthänigst, den &c. v. Oppen als General-Major aus dem aktiven Dienst zu entlassen, ihm die Pension als Oberst gnädigst zu bewilligen und ihm die Zulage von 1500 Thlr., welche der General v. Pontanus gehabt, huldreichst zu verleihen.
                  http://books.google.com/books?id=NtwOAAAAYAAJ&pg=PR55

                  Da Oberst Oppens Verdienste gerühmt werden, scheint die für den letzten aktiv ausgeübten Dienstgrad gehörige Pension der Normalfall zu sein ?

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                  • #10
                    In demselben Text ist weiter unten übrigens mehrfach von aggregierten Offizieren mit vollem Gehalt die Rede.

                    Grüße,

                    Gunter

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                    • #11
                      Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
                      In demselben Text ist weiter unten übrigens mehrfach von aggregierten Offizieren mit vollem Gehalt die Rede.
                      Was impliziert, daß das halbe Gehalt die Regel und das volle die Ausnahme war.

                      Die Gewährung des halben oder vollen Gehalts, oder auch hin und wieder des vollen Gehalts der nächstniederen Dienstgrades richtet sich sicherlich nach den individuellen Verdiensten des aggregierten Offiziers.

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                      • #12
                        Charakterisiert
                        Er erhält die Titel, Abzeichen u. Ehrenrechte eines Ranges ohne die damit verbundenen Befugnisse oder Pflichten zu übernehmen. Er wird verliehen, wo Etatverhältnisse eine wirkliche Beförderung ausschließen oder auch bei der Verabschiedung. I.d.R. also auch nicht das höhere Gehalt, natürlich kann es Fälle geben, wo bei der Verabschiedung das höhere Gehalt als Gnadenbeweis zuerkannt werden kann.

                        1816 legte FW ausdrücklich fest, daß es keinen Anspruch bei WIedereinstellung auf den zuerkannten höheren Rang gibt.

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