Organisation der französischen Divisionsartillerie 1806/1809

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  • Da Capo
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 23.10.2006
    • 838

    Organisation der französischen Divisionsartillerie 1806/1809


    Nachdem ich mich mit der Struktur der frz. Divisionsartillerie für die Feldzüge 1806 und 1809 etwas beschäftigt habe, musste ich feststellen, doch nur über ein eingeschränktes Wissen der Organisation zu verfügen.
    Im Land des Artilleristen Bounaparte war doch alles irgendwie anders.
    Bisher von einer feststehenden Batteriestruktur ausgehend, scheint die Lage ja völlig anders zu sein.
    Danach hat der 1.Generalinspekteur der Artillerie die Zahl der Geschütze pro Division festgelegt (für 1809 zwischen 14 und 18 Stück). Die Geschütze waren im Kaliber nicht einheitlich.
    Danach wurde die hierfür notwendige Artillerie- (Fuß- und reitende) und Trainmannschaft ausgeworfen und kompanie- bzw. detachementweise den nunmehrigen Batterien (oder hießen die anders?) und Parks zugeteilt.
    Diese Formation waren also nur temporär für den Feldzug geschaffen und hatten mit den organisatorisch feststehenden Batterien (wie z.B. in Preußen) nichts zu tun.
    Oder liege da völlig falsch?

    Sollte ich richtig liegen, ergibt sich anschließend die Frage der Geschützverwendung. Bei einer Nichteinheitlichkeit der Kaliber (also z.B. bei 14 Geschützen u.a. 2 12Pfünder und 4 4Pfünder) drängt sich die Verwendung der 4Pfünder als Regimentsartillerie (also direkte Verwendung bei den Einheiten) auf, die es ja ab Ende 1809 (compagnies d’artillerie regimantaire) wieder gab.

    Kann mir hier ein berufener Wissender das Licht der Erkenntnis bringen?
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.
  • Gunter
    Erfahrener Benutzer
    Chef de Bataillon
    • 01.10.2006
    • 1380

    #2
    Ob ich ein berufener Wissender bin, lasse ich mal dahingestellt. In der Tat wirkt die französische Organisation zuweilen befremdlich. Die Batterien sind nur für den jeweiligen Feldzug zusammengestellt worden. Soweit mir das bekannt ist, bestanden vor allem die zugeteilten Traineinheiten nicht aus geschlossenen Kompanien sondern nur aus Detachements, oft auch aus Teilen verschiedener Kompanien. Bis etwa 1809 wurde auf den mitteleuropäischen Schauplätzen ein Sammelsurium an Kalibern verwendet, das den Munitionsnachschub zum Alptraum gemacht haben muss. Besonders um 1805-07 kamen seltsame Mischungen der Kaliber innerhalb der Divisionen und einzelnen Batterien vor. Später wurde das stärker vereinheitlicht.
    Die Batterien hießen glaube ich "divisions". Ihre Grundkomponenten Artilleristen, Trainsoldaten + Pferde und Geschütze + Fahrzeuge wurden nur für die Feldzüge vereint. Die 4-pdr wurden erst wieder ab 1809 als Regimentsartillerie verwendet, es scheint aber, dass man dafür den österreichischen 3-pdr vorzog. Um 1805-07 und in Spanien wurden die 4-pdr noch als Batteriegeschütze benutzt. Es ist aber keineswegs so dass damit nur die berittene Artillerie ausgerüstet wurde. Bei Davout ließ 1806 z.B. seine berittene und Fußartillerie die Geschütze tauschen.

    Mit den Kompanien der Preußen um 1808, bei denen die Fahrer integriert waren, hat das alles natürlich nichts zu tun. Noch besser waren eigentlich die Russen am Start, da sie komplett ausgerüstete und bespannte Batterien und permanent organisierte Divisionsartillerie nach 1806 auch im Frieden hatten. Man muss schon sagen, dass die französischen Strukturen im Großen nicht schlecht waren, geht man mehr ins Detail, schneiden sie nicht mehr so gut ab. Das gilt genauso z.B. für die Stäbe, die Verwaltung oder die Kavallerie. Andere Mächte orientierten sich daran und veränderten das System, so dass sie das französische letztendlich übertrafen.

    Grüße,

    Gunter

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    • Gunter
      Erfahrener Benutzer
      Chef de Bataillon
      • 01.10.2006
      • 1380

      #3
      Übrigens, so feststehend waren die preußischen Batterien auch nicht als 1813 mobil gemacht wurde. Das wurde nicht nur durch die vielen Abgaben für Neuaufstellung bedingt, sondern auch durch die Aufteilung der Kompanien für die diversen Arten von Kolonnen.

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      • HKDW
        Erfahrener Benutzer
        Colonel
        • 02.10.2006
        • 2986

        #4
        Ein großes Problem war der Pferdemangel 1805, zahlreiche Kanonen konnten gar nicht mit ins Feld genommen werden, Davout ließ seine 12 pdr. zurück, später dann durch österreichische 12 pfdr. erstetzt, sowohl Alembert & Colin, wie auch Foucart bringen hier interessante Details für die Feldzüge von 1805 bis 1807, dazu hinaus haben sich die Coprs dann wieder Geschütze "privat" angeeigent, wie z.b. Davout - preußische Geschütze, die irgendwann dann wieder abgegeben werden sollten, Soult hatte im Gegensatz zu den anderen Corps zahlenmäßig eine zu starke Artillerie, als der die dann abgeben sollte, hat er sich solange gewehrt bis er sie behalten durfte.

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        • Sans-Souci
          Erfahrener Benutzer
          Major
          • 01.10.2006
          • 1882

          #5
          Eine Bemerkung aus den Memoiren des Sergent-Majors der Voltigeure Johann Jakob Röhrig, im 150. französischen Linien-Regiment. (Unter den Fahnen Napoleons, S. 92):

          Bei den Franzosen war es, was die Artillerie betraf, ganz anders, als es jetzt bei uns [den Preußen, Röhrig kam aus dem Hunsrück] ist. Die Fahrenden an den Kanonen bildeten mit denen an den Munitionswagen ein besonderes Korps, hatten also auch ihre eigenen Offiziere ud Unteroffiziere. Dies verursachte nun immer Streit und Zank zwischen beiden Teilen.

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          • Da Capo
            Erfahrener Benutzer
            Adjudant
            • 23.10.2006
            • 838

            #6
            Ersteinmal Dank für Eure Beiträge, aber leider bringt mich das in der Sache nicht so richtig weiter.
            Mein Verständnisproblem liegt darin, dass fast alle Welt bei ihren Reorganisationen die Einteilung der Geschütze bei den Franzosen als Vorbild hinstellt und im Ergebnis die Artillerie in Batterien einteilt (die Össis z.B. seit 1808), die die Franzosen gar nicht hatten (die Batterien in Preußen waren schon in den Mobilmachungsplänen von 1799 feste organisatorische Einheiten. Das hat sich auch mit den neueren Plänen von 1812 und 1813 nicht geändert)

            Irgendeine feste Struktur muß es daher auch bei den Franzosen gegeben haben.
            Sehen wir uns z.B. die Artillerie der Infanterie-Divisionen des Korps Massena mit Stand 17.04.1809 an:
            Infanterie-Division 1./ 2./ 3./ 4.
            Personal anwesend 340/359/309/346
            Trainpferde 283/280/275/242
            12-Pfünder 2/ 2/ 2/ 2
            6-Pfünder 8/ 8/ 8/ 8
            5,5 ’’ Haubitzen 2/ 2/ 2/ 2
            Muniwagen Kanonen 19/19/19/19
            Muniwagen Haubitzen 5/ 5/ 4/ 5
            Muniwagen Infanterie 12/12/12/12
            Transportwagen 3/ 3/ 3/ 3
            Feldschmieden 1/ 1/ 2/ 2

            Das sieht doch sehr strukturiert aus. Also irgendeinen festen Plan bzw. Schema muß es gegeben haben.
            Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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            • Gunter
              Erfahrener Benutzer
              Chef de Bataillon
              • 01.10.2006
              • 1380

              #7
              Also ich halte inzwischen die Bedeutung des französischen Vorbildes für nicht ganz so maßgeblich wie oft dargestellt wird. Die jeweiligen Lösungen bei den anderen Mächten hatten doch ziemlich eigenes Gepräge und waren keine einfachen Kopien.

              P.S.: Ist nicht auch die preussische Brigadestruktur nach dem Reglement von 1812 eher eine Weiterentwicklung der Divisionsstruktur von 1806 als eine Nachahmung der französischen? (O.k., das sollte wohl besser in einen neuen thread gehören ;-)

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              • admin
                Administrator
                Colonel
                • 30.09.2006
                • 2700

                #8
                Bericht über die Artillerieorganisation März 1809

                Im Saski Campagne de 1809 findet sich im Anhang ein interessantes Dokument mit dem Titel

                Rapport sur l'organisation de l'artillerie des armées de Sa Majesté en Allemagne.

                Datiert auf den 2. März 1809.

                Ich habe die Seiten gescannt und in einer PDF-Datei zusammen gefasst ... ich hoffe, das hilft bei der Recherche.

                Schöne Grüße
                Markus Stein
                Angehängte Dateien
                "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                • admin
                  Administrator
                  Colonel
                  • 30.09.2006
                  • 2700

                  #9
                  Hinweise aus Napoleons Instruktion vom 30.3.1809

                  Neben der schon hier reingestellten Liste gibt es einige interessante Angaben zur (Soll-) Organisation der Divisionsartillerie in der ausführlichen Instruktion Napoleons an Berthier vom 30. März 1809, also kurz vor Kriegsausbruch ... den Text ist im 1809er Portal unter http://www.1809.napoleon-online.com/...d=26&Itemid=33 (der hierfür interessante Teil auf der Seite "Armeeorganisation").

                  Helfen Dir, Da Capo, diese Angaben?

                  Markus Stein
                  "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                  • Da Capo
                    Erfahrener Benutzer
                    Adjudant
                    • 23.10.2006
                    • 838

                    #10
                    Hallo Markus,

                    besten Dank für die Einstellung des Materials. Ich hab die nächsten drei Wochen Urlaub und hoffe Zeit zu finden, die ganze Sache mal nach-, um- und durchzurechnen. Evtl. erschließt sich dann ja des Pudels Kern. Besonders die Sollzahlen nebst Mehr- und Fehlbeständen des Herrn Sognis sind toll, weil hinter diesen unbedingt Wissen und Wollen und die erhoffte Grundsatzstruktur zu vermuten ist.

                    Sollte ich etwas herausfinden, lasse ich es unbedingt wissen.

                    Was schon jetzt auffällt, ist die wunderbare Durchmischung von Alt- (Gribeauval) und Neumaterial (AN XI), insofern nicht alle 6-Pfünder preußischer oder österreichischer Herkunft sind. Letzteres macht allerdings die Sache mit der Munitionsversorgung auch nicht besser.
                    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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