Hautboisten und Bandisten eines K.K. Infanterieregiments

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  • Da Capo
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 23.10.2006
    • 817

    #16
    Nur mal was zur Ergänzung.
    Bundschuh gibt in seine Milirär-Ökonomie von 1813 folgendes:

    HKR 07.05.1777
    Der Rgt.s Tambour kann nicht nur aus den Spielleuten sondern auch aus den Chargen übersetzt werden.
    Die Auszierung der Spielleute-Montur obliegt dem Rgt.s-Inhaber, das Aerarium gibt nur die ordinäre Montur.
    Aus dem Feuergewehrsstande darf zur Hautboisten-Bande niemand gebraucht werden.
    Die Offiziere dürfen zum Unterhalt dieser Bande keinen Beitrag geben, dieser ist aus den Rgt.s-Unkostenfond zu bestreiten
    Gren.Bat. dürfen keine Hautboisten-Bande errichten.

    HKR 01.06.1806
    Stand der Spielleute pro Comp. 2 Tamboure, je Rgt. 8 Hautboisten (diese sind beim Stab zu führen)

    Dienstreglement 1807
    Zu Tambours sind nur noch rüstige entschlossene Männer anzunehmen, Soldatenkinder werden nicht mehr angenommen.

    HKR 21.05.1808
    Ein zum Tambour angenommener Inländer ist erst als Gemeiner zu assentiren, und sodann erst zum Tambour zu übersetzen. Ausländer dürfen keinesfalls gleich als Tambour angenommen werden. Sie können erst nach längerem Dienst hierzu übersetzt werden.

    HKR 06.07.1811
    Da bei der Artillerie die Tambours im Kriegsfalle im Depot bleiben, können hier die Spielleute wieterhin nach Gutbefinden ausgewählt werden.

    Die ausgewiesenen Monturssorten sind für Hautboisten und Tambours gleich.
    Der Hautboist erhielt im Frieden 5 (in Ungarn und Galizien 4) Kreuzer und 1 Brotportion täglich. Im Krieg durchgängig 5 Kreuzer + 1 Kreuzer Feldbeitrag sowie 1 Brotportion. Der Tambour bekam das Gleiche.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

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    • Tellensohn
      Erfahrener Benutzer
      Chef de Bataillon
      • 16.02.2011
      • 1253

      #17
      Zitat von Nikolaj Beitrag anzeigen
      Zur auffallenden Schlichtheit der Hautboisten in der Abbildung eine Vermutung: die Einführung zweier Uniformgarnituren für die Banden ("gewöhnliche" und "en Parade") erfolgte ebenfalls erst 1822, könnte aber bei den Privaten schon aus Kostengründen bereits vorher gebräuchlich gewesen sein?
      Zitat von Nikolaj Beitrag anzeigen
      ...Wrede spricht hier von Privatverträgen der Musiker mit dem Inhaber. Letzteres gilt auch für Regimentskapellmeister, die erst ab 1851 systemisiert wurden.
      Ausgehend von diesen beiden interessanten Fussnoten und voraussetzend, dass die von Boillot dargestellten Musiker alle derselben Einheit angehören, möchte ich nun noch einmal den Versuch wagen, die verschieden uniformierten Musiker den Kategorien Hautboisten, Bandisten und Vertragsmusiker zuzuordnen.

      Der Kragen des grünberockten Musikers F weist, im Gegensatz zu dem des grünberockten Musikers E, eine doppelte Borte auf. Ich halte ihn deshalb für einen Kapellmeister. Wenn Kapellmeister damals Vertragsmusiker waren, dann muss E auch ein Vertragsmusiker sein. Demnach könnte die für Holzbläser der Musikbanden ungewohnt schlichte Uniform dieser Musiker in der Tat eine Sonderuniform für ausseretatmässige Vertragsmusiker des Regiments sein.

      Die weissgekleideten Musiker dagegen tragen erkennbar die mit Verzierungen angereicherte Uniform der regulären Spielleute des Regiments. Untereinander unterscheidet sich ihre Uniform in nur einem Punkt: der Farbe des Stutzes. Die Musiker A, B, C, und G mit schwarzem Stutz spielen, soweit erkennbar "türkische" Instrumente und gewöhnliche Militärtrommel; der Musiker D mit rotem Stutz führt ausschliesslich Blechblasinstrumente mit sich.

      "Türkische" Instrumente setzen kein allzu grosses musikalisches Können voraus und die Militärtrommel war das gewöhnliche Instrument der etatmässigen Spielleute (damals nur noch Tambours). Deshalb würde ich in den weissgekleideten Musikern mit schwarzem Stutz Bandisten erkennen wollen, also der Musikbande zugeteilte Tamboure.

      Der weissgekleidete Musiker mit rotem Stutz steht m.E. für mehrere Musiker, die alle Blechblasinstrumente spielen. Ich schlage vor, in ihm den Repräsentanten der etatmässigen Hautboisten zu sehen. Aussergewöhnlich scheint, dass er keine Holzblasinstrumente mit sich führt, da Hautboisten traditionell v.a. Holzblasinstrumente spielten. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass man entweder die Hautboisten schwerpunktmässig zu Blechbläsern ausbilden wollte, da Blechblasinstrumente in den damaligen Musikbanden immer mehr an Bedeutung gewannen (bei Trentsensky/Hoechle 1823 spielen auch die meisten Bandisten Blechblasinstrumente), oder aber der Regimentsinhaber die Leistungen seiner Hautboisten als Holzbläser für ungenügend hielt und daher entschied, für die Parts der Holzbläser besser qualifizierte Vertragsmusiker zu engagieren.

      Nur ein Vorschlag, wie ich betonen möchte.

      Gruss, T.
      Zuletzt geändert von Tellensohn; 07.10.2012, 12:00.

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      • Gunter
        Erfahrener Benutzer
        Chef de Bataillon
        • 01.10.2006
        • 1377

        #18
        Das mit den Artillerietambouren finde ich bemerkenswert. Es zeigt, dass die Fussartillerie ihre Trommler im Gefecht kaum benötigt hat. Zu dieser Thematik ging mir ein Licht auf, als ich das preußische Artilleriereglement von 1812 las. Dort ist bei den Trommlern nur ein einziges Manöversignal aufgeführt und 4 Quartiersignale, während bei den Trompetern der reitenden Artillerie 6 Manöver- und 7 Quartiersignale stehen. Das sagt alles.

        Grüße

        Gunter

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        • HKDW
          Erfahrener Benutzer
          Colonel
          • 02.10.2006
          • 2957

          #19
          Hier mal zwei Varianten einer Regimentsmusik



          und

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          • Tellensohn
            Erfahrener Benutzer
            Chef de Bataillon
            • 16.02.2011
            • 1253

            #20
            Derselbe Stich, unterschiedlich koloriert - das wirft immer wieder Fragen auf. Hier beschränkt sich der Unterschied im wesentlichen ja auf die Farbe des Tschakostutzes. Beides scheint möglich. Rot findet sich auch bei Boillot. Darstellungen (allerdings von ca. 1820) von Musikern mit gelben Stutzen sind mir aber auch bekannt.

            Das erste Bild ist ein Ausschnitt aus einem Stich "nach Kobell" in der ASK Brown Library, oder?

            Und woher hast du die Variante?

            Auch bei anderen Stichen finden sich bei der Kolorierung ja immer wieder Ungenauigkeiten/Abweichungen. Etwa bei der bekannten Darstellung von Angehörigen des 95e de ligne in Nürnberg (1806): man vgl. bspw. die Kolorierung (und Form?) der Schulterklappen und des Kragens des Musikers und des Chef de musique bei Gallica



            mit denen in Tradition Magazine (im Anhang).
            Zuletzt geändert von Tellensohn; 13.11.2012, 17:05.

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            • HKDW
              Erfahrener Benutzer
              Colonel
              • 02.10.2006
              • 2957

              #21
              Die Variante ist auch bei ASK Brown zu finden

              Kommentar

              • Tellensohn
                Erfahrener Benutzer
                Chef de Bataillon
                • 16.02.2011
                • 1253

                #22
                Tatsächlich? Unter welchem Stichwort denn?

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                • HKDW
                  Erfahrener Benutzer
                  Colonel
                  • 02.10.2006
                  • 2957

                  #23
                  Auch unter Kobell, das taucht nur etwas später auf

                  Kommentar

                  • Tellensohn
                    Erfahrener Benutzer
                    Chef de Bataillon
                    • 16.02.2011
                    • 1253

                    #24
                    Tja, dann hab ich wohl Tomaten auf den Augen. "Kobell": 58 Einträge, der 4. ist das obere Bild. Der wievielte Eintrag soll denn das untere Bild sein?

                    Kommentar

                    • Tom
                      Erfahrener Benutzer
                      Chef de Bataillon
                      • 03.10.2006
                      • 1067

                      #25
                      ASKB & Links

                      Die Bilder der ASKB haben Links - vielleicht ist es einfacher, hier den Link zu posten?

                      Gruß, Tom

                      Kommentar

                      • Tellensohn
                        Erfahrener Benutzer
                        Chef de Bataillon
                        • 16.02.2011
                        • 1253

                        #26
                        Das wollte ich eigentlich mit meinen Antworten insinuieren. Hat aber nicht geklappt.

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                        • HKDW
                          Erfahrener Benutzer
                          Colonel
                          • 02.10.2006
                          • 2957

                          #27
                          also richtig - nicht unter Kobell - sondern Austrian uniforms, hier der Link

                          Kommentar

                          • Tellensohn
                            Erfahrener Benutzer
                            Chef de Bataillon
                            • 16.02.2011
                            • 1253

                            #28
                            Danke.

                            (@ASKB: Saustall!)

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                            • Tellensohn
                              Erfahrener Benutzer
                              Chef de Bataillon
                              • 16.02.2011
                              • 1253

                              #29
                              Zitat von Tellensohn Beitrag anzeigen
                              Interessant auch, dass es offenbar eine Darstellung des Tambourmajors/Regimentstambours des 9. Regiments von Genty gibt. In Gloire & Empire 41 ist eine Darstellung ("Par W[inand]. Aerts d‘après Genty") dieses Tambourmajors abgebildet (s. Anhang 2). Signiert ist die Darstellung aber mit "René North 61". Ich vermute daher, dass es sich bei Aerts Kopie von Genty um ein anderes Bild handelt, das ich ebenfalls im Anhang gepostet habe (s. Anhang 3), und dass North sein Bild nach Aerts gezeichnet hat. Das Original von Genty kenne ich leider nicht. (Falls jemand dieses Original hat, bitte hier posten. Danke). Fragwürdig erscheint mir die Kolorierung des Bandeliers. Zeitgenössische Darstellungen legen nahe, dass es in der Abzeichenfarbe gehalten war.
                              Ich denke, ich habe die originale Vorlage für diese Bilder (Beitrag #1, Anhänge 2 und 3) gefunden. Sie stammt von Noël-Dieudonné Finart und zeigt den Tambourmajor eines deutschen Regiments mit roten Abzeichen und weissen Knöpfen. Im untenstehenden Link mit acht Uniformdarstellungen Finarts ist es das Bild unten in der Mitte.



                              Die übrigen Figuren sind gleichfalls recht interessant, besonders die Musiker:

                              Auf dem Bild ganz links sind zwei Musiker abgebildet, scheinbar desselben Regiments, dem auch der Tambourmajor angehört. Links, in ungewöhnlichem zweireihigem blauem Rock, möglicherweise der Kapellmeister (?). Ob diese blaue Uniform nur von ihm oder evtl. auch von den anderen Hautboisten (Gagisten) des Regiments getragen wurde, vermag ich nicht zu sagen. Falls nicht, könnte es sich auch bei der Uniform, die der Musiker rechts trägt (basierend auf der gewöhnlichen Regimentsuniform, aber ausgeschmückt) um jene der Hautboisten handeln, andernfalls um jene der Bandisten (aus den Reihen der Truppe ausgewählte Musiker).

                              In der oberen Reihe ganz links ein Grenadieroffizier eines ungarischen Regiments. In der Legende glaube ich ganz unten "Régiment Hiller Jean (oder Johann)" lesen zu können (= Ung.Inf.Regt. Hiller Nr.2; Abzeichenfarbe Kaisergelb, Knopffarbe Gelb).

                              Oben in der Mitte ein Grenadier und ein Füsilier eines "deutschen" Regiments. Ich lese unten "8ème Régiment", und in Klammern "...[Archiduc?] Louis Joseph" = Mährisches Inf.Regt. Erzherzog Ludwig [Joseph] Nr.8; Abzeichenfarbe "leuchtend Rot"/"klares Rot" (andere Quellen sollen "Grasgrün" sagen, aber nach dieser Abb. wäre das für 1815 unzutreffend [?]). Knopffarbe müsste Gelb sein, obschon ich das nicht wirklich erkennen kann.

                              Oben rechts ein Musiker "des Grenadiers" von der "Garde Impériale" (eine bei Finart häufig anzutreffende, offenbar irrtümliche Bezeichnung. Ich wüsste nicht, dass die K.K. Armee über eine "Kaisergarde" verfügt hätte, mal abgesehen von den Trabanten und der Hofburgwache?). Die relativ schlichte Uniform und das "türkische" Instrument (Becken) deuten m.E. auf einen Bandisten hin. Entweder desselben Regiments wie die oben beschriebenen Musiker oder aber eines weiteren, offenbar gleichfalls "deutschen" Regiments. Abzeichenfarbe Rot, Knopffarbe Weiss.

                              In der unteren Reihe links ein Bild mit Darstellung zweier Offiziere eines "deutschen" Regiments (Abzeichenfarbe "Pompadourrot"?, Knopffarbe Gelb = Inf. Regt. Kaiser Franz Nr.1 ?

                              Und schliesslich unten rechts, einTambour eines ungarischen Infanterieregiments. Auffällig und ungewöhnlich die Rabatten. Abzeichenfarbe Gelb, Knopffarbe Weiss (würde zum Transsylvanischen ("ungarischen") Regt. Benjowsky Nr.31 passen [?]).

                              Vielleicht erkennen andere mehr oder etwas anderes.

                              Ob die Abzeichenfarbe und Regimentszugehörigkeit des Tambourmajor in Gloire & Empire 41 von North willkürlich gewählt wurde oder einem bei Genty (er war m.W. nur Herausgeber, nicht auch Künstler) herausgegebenem Original oder einer Kopie von Finarts Bild entspricht, weiss ich nicht.

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