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Der Amerikanischer Bürgerkrieg...

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  • #16
    Der Krieg wurde auch nicht im Osten, sondern im Westen verloren. Als der Süden dies bemerkte, war es schon zu Spät, um noch irgentetwas dagegen unternehmen zu können.

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    • #17
      Hallo ein sehr umfangreiches Thema.
      Prinzipiell war die taktische Ausrichtung 1861 sehr stark von den napoleonischen kriegen geprägt, da diese feldzüge das Standartprogramm an den diversen Militärakademien waren.
      Allerdings, wie schon so oft erwähnt, hat die Waffentechnik einen großen Sprung nach vorn gemacht, insbesondere in Bezig auf die Ballistik. das hatte natürlich ab 1863 zunehmend Auswirkung auf die Taktik.
      Kavallerietechnisch gesehen ist der Bürgerkrieg fr mich die interessanteste Epoche, da die Kavallerie hier ihr Maximum an Effektivität erhielt. Die sogenannten "Raids" gab es ja in napoleonischer Zeit schon, besonders im 1813er Feldzug durch die Streifkorps.
      Der Einsatz als Schlachtenkavallerie ist so ein Punkt, in dem sich die Gelehrten Streiten. Zum einen muss man die geographische Struktur in Amerika bedenken: es gab mehr Wälder, als in Europa und gerodete Flächen waren oft durch Zäune eingegrenzt, die ein Hinderniss für die Kavallerie darstellten. Besonders aus diesem Grund viel ihr Einsatz oft aus, wobei ich ja der Ansicht bin, dass der Einsatz des 10.000 Mann starken Kav.Korps Stuart bei Gettysburg effektiver gewesen wäre, als der Einsatz von Infanterie, da Kavallerie dieses Feld wesentlich schneller überwunden hätte.
      Aber Zäune und mauern verhinderten auch dort diesen Einsatz.
      Desweiteren darf man, trotz der oft unabhängigen Einsätze nie vergessen, welch enorme Bedeutung die Kavallerie für die Aufklärung hatte. Das Fehlen von Stuarts Korps vor Gettysburg veranschaulicht auch dies sehr deutlich.

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      • #18
        Alex,
        die Kavallerieraids im ACW waren schon einige Nummern größer als die Streifkorpsaktionen 1813.
        Bei Gettsyburg konnte die Kavallerie beider Seiten garnichts reißen. Ihre Geschwindigkeit hätte nur dazu geführt, dass die Leute und Pferde noch schneller starben als die Infanterie. Stuarts Truppe ist ja durchaus aufgetaucht und hat mitgekämpft aber eben nicht an der Stelle von Picketts Charge.

        Grüße,

        Gunter

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        • #19
          Kavallerie im Sinne der Napoleonischen Kriege gab es im Bürgerkrieg nicht mehr. Die Kavallerie muß man eigentlich als berittene Infanterie ansehen. In diesem Konflikt ging es haupsächlich darum, schnell von A nach B zu kommen.
          Das einzige große Kavalleriegefecht fand 1863 bei Brandy Station statt, von einigen Scharmützeln mal abgesehen.

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          • #20
            Zitat von Gunter Beitrag anzeigen
            Alex,
            die Kavallerieraids im ACW waren schon einige Nummern größer als die Streifkorpsaktionen 1813.
            Das weis ich. Sie funktionierten aber nach einem ähnlichen Prinzip.
            Was die Kavallerie ( wir reden von 10.000 Mann) bei einer geschlossenen Attacke hätte bewirken können ist sicherlich Spekulation, aber meines Erachtens nach mehr, als die ebenso starke Infanterie. Auch wenn es sicherlich ein Todesritt gewesen wäre.

            @Peter
            Nicht ganz richtig. Sicherlich gab es kaum noch reine Reitergefechte ( es gibt schon noch mehr Ausnahmen, als Brandy Station, allein das Kavalleriegefecht unter Stuart am dritten Tag von Gettysburg war ein klasisches Melee).
            Gerade im Westen unter Männern wie Forrest und Wheeler wurde die Kavallerie sicherlich stark als berittene Infanterie eingesetzt. Stuarts Korps im Osten war dagegen noch ein klassisches Aufklärungskorps, dessen Aufgabe darin bestand, den Gegner zu lokalisieren. Das ist immer noch das Konzept leichter Kavallerie aus napoleonischer Zeit.

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            • #21
              @ Alex
              Gettysburg hatte ich ganz vergessen. Aber solche Reitergefechte wie zb. Liebertwolkwitz gab es nicht. Dies lag unter anderem auch am Gelände. Im Osten gab es sehr viele Wälder
              Zu Stuart möchte ich noch anmerken, das sein Raids nicht immer Gutgeheisen wurden. Er war viel zu sehr auf seinen Ruhm bedacht. Gettysburg ist hierfür das beste Beispiel. Sein Ruf hat durch Brandy Station sehr gelitten, als er von der Unionreiterei praktisch überrumpelt wurde. Deswegen unternahm er den Raid Richtung Norden.
              Ebenso der Raid auf der Halbinsel im Jahre 1862 brachte nicht viel ein.

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              • #22
                Ich würde die ACW-Kavallerie keinesfalls pauschal als berittene Infanterie bezeichnen. Sie kämpfte zwar häufig zu Fuß, hatte aber meist keine infanteriemäßige Bewaffnung. Manche Einheiten bevorzugten es vom Pferd aus mit dem Revolver zu feuern. Richtig super ausgestattet waren Regimenter, die ein Spencer-Infanteriegewehr trugen (Karabiner wären normal gewesen). Sowas gab es also auch. Grundsätzlich sollte jeder Kavallerist einen Säbel haben und somit auch eine richtige Attacke reiten können. Auf beiden Seiten hatten einzelne Regimenter zeitweise auch Lanzen. Sinnvoll war das alles nicht. Blankwaffen waren recht unbeliebt und konnten in der Regel nur bei überraschenden Überfällen kleinerer Einheiten erfolgreich eingesetzt werden.
                Es existierten auch Einheiten, die sich selbst als "berittene Infanterie" bezeichneten. Man möchte meinen, das wären Leute mit Infanteriegewehren gewesen, die einfach beritten gemacht wurden. Seltsamerweise ist mir aber ein Beispiel bekannt, wo so eine Truppe offensichtlich zu Pferde mit dem Säbel kämpfte. Daneben gab es aber auch "Kavallerie"-Regimenter, die nur dem Namen nach zu den berittenen Truppen gehörten und als Infanterie dienten. Bei solchen wurde höchstens die Kavallerieabzeichenfarbe getragen.

                Grüße,

                Gunter

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                • #23
                  :card:Kleine Anmerkung zu der "Neuheit" von Raids
                  Immer wieder amüsant, was den Maiskolbenverspeisern so an tollen Errungenschaften zugeschrieben wird (muß wohl an Hollywood liegen)

                  Türkenkriege - in den Grenzgebieten waren Kavalleriestreifzüge beider Seiten doch schon an der Tagesordnung
                  daher wurden dann ja auch die Husaren so beliebt und allerorts kopiert
                  ebenso die gefürchteten Panduren

                  - Hadiks Raid nach Berlin im 7JK - also nix neues in Europa

                  bezüglich der angeblichen Vorliebe zu französischen Vorbildern in der Uniformierung

                  wie heissen die Verschnürrungen auf den Jacken und Kappen der ACW-Unter- und Oberoffiziersuniformen? - Austrian Knots oder?

                  und das Käppi? - war das nicht eins zu eins die Lagerkappe der kaiserlichen Kavallerie (ungarische Husaren und kaiserliche Kürassiere und Dragoner)

                  Und abgesessenen Kavallerie für Infanteriekampf - ja bitte seit wann gab es denn in Europa denn schon sowas - wenn mich nicht alles täuscht heist diese Waffengattung doch Dragoner oder?

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                  • #24
                    Hat ja auch keiner behauptet, dass die Raids eine Erfindung der Amis seien...

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                    • #25
                      Steifkorps

                      Sicher hat hier niemand gesagt, dass die "Raids" eine Erfindung unserer "werten Amis" sind, man mag der allgemeinen Hollywoodpräsenz aber auch nicht absprechen, dass viele Laien mit Kavallerie eher die omnipräsenten Blauröcke verbinden.

                      Nun aber zurück zu den "Raids" ... interessant wäre es doch jetzt zu erfahren, inwiefern die "Kavallerieführer" der Nord- wie Südstaaten die schon bis zu den 1850er publizierten Erfahrungen der Streifkorps, v.a. aus den Befreiungskriegen 1812-1814, gelesen hatten bzw. ob ihre Taktikschulung auf diesen Erfahrungen beruhte.

                      Kann jemand Fachkundiger des ACW hier helfen?

                      Schöne Grüße
                      Markus Stein
                      "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                      • #26
                        Könnte es nicht auch mit den Erfahrungen in den Indianerkriegen bis zu diesem Konflikt zu Tun haben ?
                        Oder mit den Erfahrungen aus dem 1846 - 48 geführten Konflikt mit Mexico ?

                        Die Union hat eigentlich nur auf Stuart reagiert. Man muß auch bedenken, das es in diesem Konflikt keine zusammenhängende Front gab. Die Feldzüge beschränkten sich nur auf bestimmte Gebiete. Was sollte man also machen, wenn man nicht durch die Front brechen wollte ? Man mußte "Außen" herum. Das ist bei der Größe des Landes ja kein Problem.
                        Stuart führte seine Raids auch durch, um Waffen, Pferde und andere Ausrüstungsgegenstände für den Süden zu erobern.
                        Noch etwas zur Union :
                        Bis 1863 gab es bei der Unions Infanterie die Aussage, das man bis jetzt keinen Toten Kavalleristen gesehen hat. Unzweifelhaft konnte die Unionsreiterei dem Süden nicht das Wasser reichen. Der Feudale Süden legte sehr viel Wert darauf, das seine Männer gut reiten und schiessen konnten.
                        Für die Union wurde es erst besser, als die Kavallerie von fähigen Führern befehligt wurde.
                        Dies geschah 1863, als Hooker den Oberbefehl übernahm. Durch Generalorder No 6 vom 5. Februar 1863, wurde die Kavallerie der Potomac Armee in einem taktischen und selbständigen Kavallerieverband zusammen gefasst.( Auszug aus "Mit Karabiner und Säbel") An die Spitze setzte Fighting Joe George Stoneman.Dieser war allerdings nur gewählt worden, weil er am dienstältesten war. Danach bekam Pleasonton den Oberbefehl über die Kavallerie. Unter den Divisions Generalen Buford, Kilpatrick, Gregg und anderen war die Kavallerie endlich in der Lage, auf die Kavallerie der Südstaaten zu reagieren und selbst zu agieren. Nach und nach wurde sie ebenbürtig und dann sogar besser.
                        Auch dienten viele Europäische Offiziere in der Kavallerie. So zB Luigi Palma di Cesnola, Absolvent der königlichen Militärakademie von Turin,

                        Als Literatur für die Kavallerie im Bürgerkrieg kann ich "Mit Karabiner und Säbel - Das Kavalleriekorps der Potomac Armee im US - Bürgerkrieg" von Stefan Papp jr. empfehlen.

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                        • #27
                          Das mit den "austrian knots" hat mich auch schon gewundert aber das will bei den Amis nicht viel heißen. Die Deutschen wurden schließlich auch oft als "dutch" tituliert.
                          Sehr viele Uniformeinflüsse stammten tatsächlich von der französischen Armee, nicht nur die Zuavenmode. Ein Regiment importierte sogar eine nahezu 1:1 Kopie der frz. Chasseuruniform.
                          Gerade die Kavalleriesäbel folgten im Design offensichtlich frz. Vorbildern.
                          Bei den Käppis gab es verschiedene Modelle, manche eher französisch, andere nicht so genau zuzuordnen. In Europa waren solche Teile mit nach vorn oder wie auch immer abgesenktem Deckel bei mehreren Armeen zeitweise üblich, soweit ich weiß. Die innere Organisation der Einheiten war dafür eher britisch beeinflusst, z.B. 1 Btl. pro Regiment bei der Infanterie oder der Rang des Sergeant Majors. Dasselbe gilt für das Führen von 2 Fahnen bei der Infanterie. Auch das "pillbox cap" war wohl britischen Ursprungs.

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                          • #28
                            Zitat von Peter Beitrag anzeigen
                            @ Alex
                            Gettysburg hatte ich ganz vergessen. Aber solche Reitergefechte wie zb. Liebertwolkwitz gab es nicht. Dies lag unter anderem auch am Gelände. Im Osten gab es sehr viele Wälder
                            Zu Stuart möchte ich noch anmerken, das sein Raids nicht immer Gutgeheisen wurden. Er war viel zu sehr auf seinen Ruhm bedacht. Gettysburg ist hierfür das beste Beispiel. Sein Ruf hat durch Brandy Station sehr gelitten, als er von der Unionreiterei praktisch überrumpelt wurde. Deswegen unternahm er den Raid Richtung Norden.
                            Ebenso der Raid auf der Halbinsel im Jahre 1862 brachte nicht viel ein.
                            nanana, das sind doch inzwischen überholte Mythen, als beste Referenz hierfür das excellente Buch Plenty of Blame to go around von Eric J. Wittenberg der eine Menge herausragender Bücher über die Kav. des ACW geschrieben hat.

                            ansonsten empfehle ich diesen noch jungen Blog der jedoch sehr viel über Stuart und die wohlbekannte Kontroverse über seinen Raid bei Gettysburg hat: http://headquartersanv.blogspot.com/

                            noch kurz was zu Brandy Station. es wird behauptet dass Stuart überrascht wurde, tatsächlich war der Angriff an sich unerwartet aber Stuart war sich der Position der Unionskavallerie durchaus bewusst, das schreibt er auch in seinem Brief an seine Frau (http://civilwarcavalry.com/?p=484). Stuart kämpfte hier gegen eine Übermacht und war auch noch in der Flanke & Rücken bedroht, behauptete letztendlich doch das Schlachtfeld. das soll ihm erstmal einer nachmachen.

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                            • #29
                              Ich möchte darauf hinweisen, dass im Zusammenhang mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg mit "napoleonischen" Taktiken die von Napoleon III. gemeint sind, siehe u.a. Brent Nosworthy The Bloody Crucible of Courage: Fighting Methods and Combat Experience of the Civil War (im Übrigens, trotz einiger Schreib- und kleinerer Fehler ein empfehlenswertes Werk zu Taktik und Waffengebrauch im Bürgerkrieg; u.a. setzt er auch den Bürgerkrieg in Vergleich mit vorhergehenden und nachfolgenden zeitgenössischen Konflikten) und http://www.authentic-campaigner.com/...leonic+tactics .

                              Zur gezogenen Muskete ist dieses Jahr eigens ein Band des renommierten Bürgerkriegsspezialisten James Earl Hess herausgekommen, The Rifle Musket in Civil War Combat: Reality and Myth. Ich habe es zwar noch nicht gelesen, aber Hess soll, wie Nosworthy und andere, schreiben, dass die gezogene Muskete nicht die bahnbrechende Wirkung hatte, die ihr oft zugeschrieben wird. Zum einen liegt das (siehe Nosworthy und wie hier bereits früher im Thread angemerkt) an der mangelhaften Schießausbildung der Rekruten (und wer denkt daran, seine Kimme im Gefecht auszurichten, geschweige weiß, Entfernungen zu schätzen) und zum anderen wird angeführt, dass die übliche Kampfentfernung durchschnittlich um die 150 Fuß lag, also kein großer Unterschied zu der Zeit der glattläufigen Musketen.
                              Zuletzt geändert von Bene; 06.11.2008, 17:36.
                              "I had not previously known one could get on, even in this unsatisfactory fashion, with so little brain."
                              Ambrose Bierce "What I Saw of Shiloh"

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                              • #30
                                wenn mit napoleonisch die von NIII gemeint sind, ist das aber schon sehr irreführend - da in der Regel napoleonisch mit dem Napoleon - Napoleon Bonaparte - gleichgesetzt wird.

                                Ansonsten stellten die Militärschreiber schon in der Napoleonischen Zeit fest, dass gezogene Gewehre, auch mit geschulten Truppen, sehr wenig getroffen wird wenn in Reih und Glied gekämpft wurde.

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