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preuß. Artilleriefahrer 1806

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  • preuß. Artilleriefahrer 1806

    Es ist gängige Praxis, die ungenügende Leistung der preußischen Artillerie im Feldzug von 1806 neben der zu großen Schwere der Kaliber auf die „unsägliche“ Einrichtung der Stückknechte zu schieben.
    Letzterem sei erst mit der ab 1808 getroffenen Entscheidung, Geschütze und Munitionswagen von Artilleristen fahren zu lassen, abgeholfen worden.

    Herr Cochenhausen gibt nun in seiner Geschichte des Feld-Artillerie-Regimentes Nr.11 auf Seite 8 in einer Fußnote folgende Aussage: „ Bereits seit 1806 hatte man hiermit den Anfang gemacht, indem seit diesem Jahre wenigstens die 6- und 8spännigen Fahrzeuge von Artilleristen gefahren wurden.“

    Nun habe ich eine solche Aussage weder bei Schöning noch bei Malinowski/Bonin finden können und es stellt sich mir die Frage, ob Herr Cochenhausen Recht hat.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

  • #2
    König Friedrich Wilhelm III. gab durch das eigenhändig aufgesetzte Publikandum vom 1. Dezember 1806 die ersten Gesichtspunkte für die Beseitigung der in der Heeresorganisation zutage getretenen Mängel bekannt....eben auch; die unzuverlässigen Fuhrknechte durch Fahrkanoniere zu ersetzen.. dieses wurde meines Wissens erst nach Juli 1807 umgesetzt...?!
    Ein Soldat kann seinen Kopf verlieren, aber niemals einen Knopf!

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    • #3
      darf man als laie mal fragen, was so schlimm an den fuhrknechten war, als dass man sie ersetzen musste?

      gruss, muheijo

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      • #4
        So aus der Lamäng:

        Die Stückknechte waren keine vereidigten Soldaten; sie wurden erst bei der Mobilmachung ausgehoben, folglich waren die Bewegungen am Geschütz und die Evolutionen der Batterien nicht einexerziert. Außerdem war die Desertionsrate im Gefecht sehr hoch, viele Stückknechte liefen davon, wenn das Geschütz in die Feuerlinie vorgebracht werden mußte.

        Noch was?

        LB
        Zuletzt geändert von Blesson; 07.03.2008, 11:16.
        Do, ut des

        http://www.ingenieurgeograph.de

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        • #5
          Zitat von Blesson Beitrag anzeigen
          ...folglich waren die Bewegungen am Geschütz und die Evolutionen der Batterien nicht einexerziert.
          ...viele Stückknechte liefen davon, wenn das Geschütz in die Feuerlinie vorgebracht werden mußte.
          letzteres leuchtet ein, aber was gibt es einzuerxerzieren, wenn die fuhrknechte nicht fuer's schiessen, sondern nur fuer's (auf-)fahren der geschuetze zustændig waren?

          gruss, muheijo

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          • #6
            Das Bewegen der Geschütze dürfte durchaus Gegenstand von notwendigen Übungen gewesen sein (bzw. hätte sein sollen).
            Auch Geschütze wurden mit gewissen Abständen seitlich und / oder in Längsrichtung bewegt bzw. aufgestellt. Das kriegste ganz sicher nicht einfach so hin, zumal wenn es unter Geschuss geschieht.
            Auch erscheint mir allein die Vorstellung, ein mit Geschwindigkeit bewegtes Geschütz zum Halten zu bringen, durchaus vorheriger Übung wert. (An andere Stelle dieses Forums berichtete ein britischer Reenactor, wieviel Mühe es sie kostet, ihre Kanone anzuhalten).
            Alles Gründe, warum zwischen den Leistungen, wie sie mit eingespielter Mannschaft gebracht werden konnten, und denen, die gebracht wurden, wohl Differenzen zu verzeichnen waren.
            (Ich will gar nicht solche psychologischen Aspekte erwähnen wie den Unterschied zwischen einem "Angehörigen der Armee des Großen Friedrich" und einem für den Feldzug dienstverpflichteten Bauern oder Fuhrmann)

            Gruß
            Jörg
            The light at the end of the tunnel
            is from an oncoming train.

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            • #7
              o.k., danke. ich denke ich hab's verstanden.
              waren z.zt. des alten fritz auch diese stueckknechte eingesetzt?

              gruss, muheijo

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              • #8
                In irgendwelchen Memoiren (hab vergessen wo genau) hab ich gelesen, daß eines der 4 Artillerie-Regimenter schon 1806 seinen Fahrern uniformähnliche blaue Kittel gegeben hatte.

                Daß schon 1806 die Fahrer Artilleristen gewesen seien, habe ich aber auch bisher nirgendwo gefunden.

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                • #9
                  Die hatten doch schon im 7jk uniformen

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                  • #10
                    Ich habe gerade noch einmal kurz nachgelesen in:

                    Bleckwenn: Zur Ausbildung und Taktik der Artillerie, Osnabrück 1982.

                    Die dort abgedeckte Periode bis 1804 dürfte sich auch auf das Jahr 1806 verallgemeinern lassen. Im Vorwort auf S. VIII werden die Stückknechte kurz als eine veraltete Einrichtung erwähnt. Das dort beschriebene Exerzieren beschäftigen sich nur mit dem Chargieren, sowie dem Auf- und Abprotzen einzelner Feldgeschütze, wo beim letzteren die Stückknechte beteiligt gewesen sein müssten.

                    Von Evolutionen, wie eine Batterie aus der Kolonne in Linie auffahren soll etc. ist hier noch nicht die Rede. Anscheinend wurde dies erstmals im unfassenden Reglement Artillerie 1812 verbindlich festgelegt. Vorher stand es wohl im Belieben des Batteriechefs, die Kommando festzulegen.

                    LB
                    Zuletzt geändert von Blesson; 08.03.2008, 00:04.
                    Do, ut des

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                    • #11
                      Oli schreibt

                      uniformähnliche blaue Kittel bei den Stückknechten
                      das ist nun wirklich nichts besonderes, denn der blaue Fuhrmannskittel war eine berufstypische Kleidung und hat mit einer Uniform herzlich wenig zu tun.

                      LB
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                      • #12
                        Joerg Scheibe schreibt:

                        Auch erscheint mir allein die Vorstellung, ein mit Geschwindigkeit bewegtes Geschütz zum Halten zu bringen, durchaus vorheriger Übung wert. (An andere Stelle dieses Forums berichtete ein britischer Reenactor, wieviel Mühe es sie kostet, ihre Kanone anzuhalten).
                        Nun ja, da haben sich die Herren noch nicht zum Gebrauch des Bremsschuhs durchgerungen, der bekanntlich auch bei den britischen Geschützen üblich war. Ich gebe allerdings aus meiner Erfahrung zu, daß ein widerborstiger Vierpfünder auf einer abschüssigen Rampe von 4-6 Mann nur zu schwer zu bändigen ist.

                        LB
                        Do, ut des

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