Beziehung Sachsen zu Sachsen-Weimar 1814

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  • Da Capo
    Erfahrener Benutzer
    Adjudant
    • 23.10.2006
    • 842

    Beziehung Sachsen zu Sachsen-Weimar 1814

    Wie Ihr wißt komme ich aus der Fraktion der Knöpfezähler und Bortenausmesser.
    Nun bin ich auf ein politisches Thema gestoßen, welches für den Feldzug von 1814 von nicht unerheblicher Bedeutung ist und worüber ich absolut nichts weiß: Die Beziehung zwischen dem sächsischen König und den Herzog von Sachsen-Weimar.

    Während der König von Sachsen als Internierter bei den Preußens herumsaß, kommandierte sein Verwandter das III. deutsche (hauptsächlich aus kgl. sächsischen Truppen bestehende) Armeekorps, beförderte und verabschiedete Offiziere, veränderte die Uniformierung etc. pp.

    Hat einer oder haben gar mehrere von Euch einen tieferen Einblick in die Beziehung zwischen den beiden Herrschern bzw. den beiden Herrscherhäusern.
    Nach meinem laienhaften Verständnis ist da ja zwischen Affront (ein „Niederer“ wird an die Stelle eines „Höheren“ gesetzt) und möglichster Schonung/Rücksicht (ein Fürst aus dem eigenen Hause kümmert sich um sächsische Belange) so ziemlich alles drin.

    Vielen Dank für Eure erhellenden Beiträge.
    Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.
  • Tom
    Erfahrener Benutzer
    Chef de Bataillon
    • 03.10.2006
    • 1083

    #2
    Egloffstein

    Wir hatten das Buch schon mal erwähnt ( http://www.forum.napoleon-online.de/...ht=Egloffstein ), vielleicht gibt das Werk dazu Auskunft (habe es im Schrank, aber keine Zeit zur Auswertung):

    Egloffstein, H. Fhr. v., Carl August im niederländischen Feldzug 1814. (= Schriften der Goethe Gesellschaft, Bd. 40). Weimar, 1927, VIII, 248 S.

    Antiq. preiswert erhältlich...

    Gruß, Tom

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    • KDF10
      Erfahrener Benutzer
      Chef de Bataillon
      • 19.12.2010
      • 1278

      #3
      Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
      Wie Ihr wißt komme ich aus der Fraktion der Knöpfezähler und Bortenausmesser.
      Nun bin ich auf ein politisches Thema gestoßen, welches für den Feldzug von 1814 von nicht unerheblicher Bedeutung ist und worüber ich absolut nichts weiß: Die Beziehung zwischen dem sächsischen König und den Herzog von Sachsen-Weimar.

      Während der König von Sachsen als Internierter bei den Preußens herumsaß, kommandierte sein Verwandter das III. deutsche (hauptsächlich aus kgl. sächsischen Truppen bestehende) Armeekorps, beförderte und verabschiedete Offiziere, veränderte die Uniformierung etc. pp.

      Hat einer oder haben gar mehrere von Euch einen tieferen Einblick in die Beziehung zwischen den beiden Herrschern bzw. den beiden Herrscherhäusern.
      Nach meinem laienhaften Verständnis ist da ja zwischen Affront (ein „Niederer“ wird an die Stelle eines „Höheren“ gesetzt) und möglichster Schonung/Rücksicht (ein Fürst aus dem eigenen Hause kümmert sich um sächsische Belange) so ziemlich alles drin.

      Vielen Dank für Eure erhellenden Beiträge.
      Das ist schon etwas komplizierter mit den Sachsen. Es gab da ja auch noch Sachsen -Coburg-Saalfeld, Sachsen-Gotha, Sachsen-Hildburghausen, usw,.
      Zuletzt geändert von KDF10; 11.04.2014, 21:39.

      Kommentar

      • Da Capo
        Erfahrener Benutzer
        Adjudant
        • 23.10.2006
        • 842

        #4
        @KDF10
        Meine konkrete Frage richtete sich auf die Beziehung von Sachsen zu Sachsen-Weimar.

        Was fange ich da mit Deiner Einlassung an?
        Wenn der Feind in Schußweite ist, bist Du es auch. Vergiss dabei nie, dass Deine Waffe vom billigsten Anbieter stammt.

        Kommentar

        • Irene Hartlmayr
          Erfahrener Benutzer
          Capitaine
          • 22.02.2013
          • 596

          #5
          Beziehungen

          Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
          @KDF10
          Meine konkrete Frage richtete sich auf die Beziehung von Sachsen zu Sachsen-Weimar.

          Was fange ich da mit Deiner Einlassung an?
          Hallo Da Capo!
          Die Beziehungen zwischen den alten Herrscherhäusern ist eine eigene Wissenschaft.Es gibt da ein kleines,dickes Büchlein bei Reclam( die Bändchen dieser Reihe gibt es ja in jeder größeren Buchhandlung)das sich "Europäische
          Herrscherhäuser" nennt( so weit ich mich erinnere).Dort sind alle Querbeziehungen und Verwandschaften aufgelistet und angeführt.Das ist überhaupt praktisch zu haben,wenn man sich für Geschichte interessiert.
          Vielleicht kannst Du Dir das besorgen,es kostet nicht viel.
          Die Bände von "Ploetz" gibt es auch zu allen möglichen historischen Themen,
          vielleicht gibt es da auch einen Band zu Herrscherhäusern.
          Viele Grüsse,
          IRENE.

          Kommentar

          • Chasseur
            Erfahrener Benutzer
            Sergent
            • 16.05.2007
            • 105

            #6
            Der Herzog von Sachsen-Weimar hatte in der preussischen Armee gedient, sein Sohn Heiratete 1804 die Schwester des Zaren.
            Aufgrund seiner guten Beziehungen und der Rückendeckung durch den Zaren wurde Sachsen-Weimar 1815 zum Großherzogtum erhoben und bekam neue Gebiete zugesprochen, u.a. den Neustädter Kreis, der bis dato zum Königreich Sachsen gehörte.

            "Während der König von Sachsen als Internierter bei den Preußens herumsaß, kommandierte sein Verwandter das III. deutsche (hauptsächlich aus kgl. sächsischen Truppen bestehende) Armeekorps, beförderte und verabschiedete Offiziere, veränderte die Uniformierung etc. pp."

            Das man mit einer "Leiharmee" verfährt, als wäre es die Eigene, ist schon stark.
            Der sächsische König nahm es seinem Onkel, der Regent war, sehr übel, das er den Militär-St.-Heinrichs-Orden wiederbelebte, kurz bevor er selbst Regierungsfähig wurde. Das sind Dinge, die nur Herrschern vorbehalten waren.
            Und das war harmloser, als dein o.a. angeführtes Beispiel.


            Sachsen-Weimar gehörte zu den Gewinnern der napoleonischen Kriege, auch auf Kosten des Königreiches Sachsen.
            Das wird den sächsischen König nicht begeistert haben. Egal wie die Familienverhältnisse waren, Territorien verlor niemand gerne.

            Chasseur
            Zuletzt geändert von Chasseur; 15.04.2014, 18:10.

            Kommentar

            • KDF10
              Erfahrener Benutzer
              Chef de Bataillon
              • 19.12.2010
              • 1278

              #7
              Zitat von Da Capo Beitrag anzeigen
              @KDF10
              Meine konkrete Frage richtete sich auf die Beziehung von Sachsen zu Sachsen-Weimar.

              Was fange ich da mit Deiner Einlassung an?
              Die kleineren sächsischen Fürstentümer waren noch länger in der Grande Armee. Unter anderem auch im belagerten Danzig. Der König von Sachsen hat nicht die Seite gewechselt, sondern wurde von seiner Armee quasi überrumpelt. Er war ein Kriegsgefangener. Außerdem war Preußen schon immer scharf auf bestimmte Gebiete im sächsischen Königreich. Militärische Fähigkeiten hatte er auch nicht.

              Das hat wenig mit den Beziehungen zwischen Sachsen und Sachsen-Weimar zu tun, sondern vielmehr mit den Beziehungen zwischen Preußen und Sachsen. Außer Frankreich hat kein Land Preußen so geschadet wie Sachsen. Denk an die früheren preußischen Gebiete im Herzogtum Warschau, über die der König von Sachsen herrschte.

              Ein 3. "deutsches Korps" gab es nicht. Das 3. preußische Korps wurde von Generalmajor von Bülow kommandiert (1813 und 1814). Der wurde zwar im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, trat aber schon 1768 in die preußische Armee ein.
              Zuletzt geändert von KDF10; 15.04.2014, 18:33.

              Kommentar

              • Tom
                Erfahrener Benutzer
                Chef de Bataillon
                • 03.10.2006
                • 1083

                #8
                III. Deutsches Bundes-Corps

                Hier ein Link zur Ordre de bataille des nicht existierenden 3. Deutschen Bundes-Corps 1814 :

                (aus Bogdanowitsch, 1814, Bd. I)

                Gruß, Tom

                Kommentar

                • joerg.scheibe
                  Erfahrener Benutzer
                  Capitaine
                  • 02.10.2006
                  • 594

                  #9
                  Zitat von KDF10 Beitrag anzeigen
                  Die kleineren sächsischen Fürstentümer waren noch länger in der Grande Armee. Unter anderem auch im belagerten Danzig. Der König von Sachsen hat nicht die Seite gewechselt, sondern wurde von seiner Armee quasi überrumpelt. Er war ein Kriegsgefangener. Außerdem war Preußen schon immer scharf auf bestimmte Gebiete im sächsischen Königreich. Militärische Fähigkeiten hatte er auch nicht.

                  Das hat wenig mit den Beziehungen zwischen Sachsen und Sachsen-Weimar zu tun, sondern vielmehr mit den Beziehungen zwischen Preußen und Sachsen. Außer Frankreich hat kein Land Preußen so geschadet wie Sachsen. Denk an die früheren preußischen Gebiete im Herzogtum Warschau, über die der König von Sachsen herrschte.

                  Ein 3. "deutsches Korps" gab es nicht. Das 3. preußische Korps wurde von Generalmajor von Bülow kommandiert (1813 und 1814). Der wurde zwar im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, trat aber schon 1768 in die preußische Armee ein.
                  Was soll uns denn nun bitte sagen daß irgend jemand, der zu Napoleons Zeiten eine Rolle spielte, in einem Land geboren wurde, daß es nicht vor 1944 gab? Ist das irgendwas mit Pawlows Hund, daß Du bei den Nennung Sachsens alle Territorien aufzählen mußt, die irgendwann mal "Sachsen" als Teilbegriff führten / führen / führen werden?

                  Fassungslos
                  Jörg
                  The light at the end of the tunnel
                  is from an oncoming train.

                  Kommentar

                  • KDF10
                    Erfahrener Benutzer
                    Chef de Bataillon
                    • 19.12.2010
                    • 1278

                    #10
                    Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
                    Was soll uns denn nun bitte sagen daß irgend jemand, der zu Napoleons Zeiten eine Rolle spielte, in einem Land geboren wurde, daß es nicht vor 1944 gab? Ist das irgendwas mit Pawlows Hund, daß Du bei den Nennung Sachsens alle Territorien aufzählen mußt, die irgendwann mal "Sachsen" als Teilbegriff führten / führen / führen werden?

                    Fassungslos
                    Jörg
                    Bin auch fassungslos. Glaubst du, ich habe nicht Besseres zu tun, als zu recherchieren, zu welchem der sächsischen Fürstentümer Bülows Geburtsort Falkenburg damals gehörte? Das Forum hier heißt nicht Heimatkunde.

                    Kommentar

                    • KDF10
                      Erfahrener Benutzer
                      Chef de Bataillon
                      • 19.12.2010
                      • 1278

                      #11
                      Zitat von Tom Beitrag anzeigen
                      Hier ein Link zur Ordre de bataille des nicht existierenden 3. Deutschen Bundes-Corps 1814 :

                      (aus Bogdanowitsch, 1814, Bd. I)

                      Gruß, Tom
                      Scheint wirklich nicht existiert zu haben. Scroll ich nach oben, kommt das 2. Korps und danach das 4te Korps.

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                      • admin
                        Administrator
                        Colonel
                        • 30.09.2006
                        • 2704

                        #12
                        Zitat von KDF10 Beitrag anzeigen
                        Scheint wirklich nicht existiert zu haben. Scroll ich nach oben, kommt das 2. Korps und danach das 4te Korps.
                        Doch, das 3. Korps unter dem Sachsen-Weimar existierte ... habe gerade am WE die OdB geprüft und da tauchte es auf.

                        Schöne Grüße
                        Markus Stein
                        "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear) ... jedem also sein ganz persönliches (Hof-) Narrenleben

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                        • Ludwig Hußell
                          Erfahrener Benutzer
                          Sergent
                          • 01.01.2011
                          • 127

                          #13
                          Ernestiner und Albertiner

                          Dem Grunde nach hatten alle Sachsen die gleiche Wurzel bis zur Teilung in die Ernestiner und die Albertiner Linie. Durch unterschiedliche Erbfolgeregelungen blieb Sachsen das, was man heute noch kennt, während die Bindestrich-Sachsen (-Coburg, -Weimar etc.) sich aufsplitterten. Das Entscheidende zum Start dieser Runde - politisch und wirtschaftlich waren alle absolut autark. Eine Ausnahme gab es, wenn Erbfolgen nicht funktionierten. M.E. hatten dann die Albertiner aus Dresden so eine Art Moderatorenfunktion.
                          In der Napoleonischen Zeit profitierten die 5 sächsischen Herzogtümer vom Wohlwollen der Franzosen bzw. von bestimmten freundschaftlichen Beziehungen. Nämlich, alle blieben als Länder erhalten und traten dem Rheinbund bei.
                          Dass diese Kleinstaaten dann ungeschoren davon kamen, ist ebenfalls erklärbar. Deren Gebiete lagen nicht im Fokus der Großmächte, das war das Königreich der Albertiner Sachsen. Um landsmannschaftliche Nähe zu demonstrieren, durfte einer der Ernestiner Sachsen die Albertiner Sachsen 1814 führen.

                          Übrigens habe ich mehrfach gehört (wenn mir eine verlässliche Quelle einfällt, melde ich die nach), dass bei einer erfolgreichen Politik Frankreichs über 1812 hinaus durchaus ein "Großsachsen" vorstellbar gewesen wäre. Auf der politischen Landkarte des heutigen Deutschlands mit Sachsen, Thüringen, Süd-Sachsen-Anhalt und natürlich die preußischen Beutegebiete aus Brandenburg (z.B. das sächsische Dennewitz).

                          Unterhaltsam und verständlich sei auf die beiden Knauthtagebücher verwiesen, die Thomas Hemmen herausbrachte und auf die kurzweilige Story der Thüringer Napoleonsoldaten 1807-1813 "Napoleons Völkerschlachtsoldaten aus Thüringen" von Reinhard Münch. Detaillierter und mit viel Quellenaufbereitung die selbstverlegten Arbeiten von Hartmut Liebe sind Klasse für die, die es genauer wissen wollen.

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                          • Tellensohn
                            Erfahrener Benutzer
                            Chef de Bataillon
                            • 16.02.2011
                            • 1253

                            #14
                            Zitat von joerg.scheibe Beitrag anzeigen
                            Fassungslos
                            Wir mögen unsere Differenzen haben, teils vielleicht auf Missverständnissen beruhend, aber in einem - bei einem - sind wir uns einig.

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                            • ArisKosionidis
                              Benutzer
                              Soldat
                              • 20.10.2012
                              • 30

                              #15
                              Zitat von KDF10 Beitrag anzeigen
                              Scheint wirklich nicht existiert zu haben. Scroll ich nach oben, kommt das 2. Korps und danach das 4te Korps.
                              Doch, es hat im Feldzug von 1814 teilgenommen und sich auch in einige Gefechte und Belagerungen eingemischt. Vgl. http://books.google.gr/books?id=5BhCAAAAcAAJ .
                              mfG
                              Aris K.

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